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JHWH in hebräischen Buchstaben
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Liebe ist Wille zur Gemeinschaft

04.10.2019

Zwei Menschen diskutieren über die Bibel

Sollten Christen mit­einander über Glaubens­fragen diskutieren?

Wieviel "Abweichung" von meiner eigenen Glaubens­sicht gestehe ich meinem Mitchristen zu?

Neige ich dazu, Jesu Nachfolger in wahre und falsche Christen einzuteilen? Oder verweigere ich Einzelpersonen oder ganzen Gruppen sogar die Anrede "Bruder" oder "Schwester", weil sie teilweise anders glauben als ich?

Diese Diskussion könnte man aus rein menschlichem Blickwinkel führen. Der Autor des nachfolgenden Artikels nimmt jedoch einen höheren Blickwinkel ein, und dafür gibt es einen guten Grund, denn:

 

Briefwaage mit HerzDas Gericht beginnt am Hause Gottes

Autor: Karl Geyer 1949
Übertragung in heutiges Deutsch: die vierte Wache

"Denn die Zeit ist da, dass das Gericht
beginnt beim Haus Gottes."
(1. Petrus 4:17; SCH)

Gott kann um seiner selbst willen die Welt nicht für immer ihrem eigenen Schicksal und Verderben überlassen. Er kann ja seinem Wesen nach nicht für immer anklagen, noch ewig im Zorn verharren (Psalm 103:9; ZÜ), weil sonst die Geister und Seelen, die er doch gemacht hat, vor ihm völlig zugrundegehen würden (Jesaja 57:16). Weil er es liebt, gnädig zu sein, kann er nicht ewig Zorn halten (Micha 7:18), denn seine Gnade bleibt für immer (Psalm 136), und die Liebe hört niemals auf (1. Korinther 13:8).

Seiner Vollkommenheit entspricht es, dass er nicht nur plant, sondern auch ausführt, nicht nur entwirft, sondern auch vollendet, nicht nur will, sondern auch all seinen Willen vollständig durchführt (Jesaja 46:10,11; Psalm 115:3; 135:6; Epheser 1:11 u. a.) und nichts unvollendet lässt, sondern seinen ganzen Ratschluss mit Allem, was existiert, zur Fülle und Vollendung bringt.

Der Vater hat geplant, dass diese Vollendung durch den Sohn der Liebe herbeigeführt werden soll, den er deshalb auch zum Haupt über Alles im Himmel und auf der Erde gesetzt hat (Epheser 1:9-11, 22, 23). Der Sohn aber wird nach Erfüllung seines Auftrages sich selbst dem unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott alles in allem sei (1. Korinther 15:28).

Das Ende der alten Weltordnung ist das Christi Tod am Kreuz. Dort wurde allem vergänglichen Wesen das Todesurteil gesprochen. Es wurde gerichtet und endgültig beiseite getan, als für Gottes Zwecke unbrauchbar. In der Auferstehung aber begann bereits die neue Welt, das neue Zeitalter, das werden soll. Da wurde Leben und unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten.

So, wie nun Christus sich selbst als Erlöser in den Tod gab für alle, so lässt er als Vollender auch alle an diesem Tod teilnehmen. Alle müssen durch Tod und Verwandlung gehen, um endlich die unvergängliche und unverwesliche Herrlichkeit, das Geschenk Gottes, anziehen zu können (1. Korinther 15:53).

Die Vollendung der Welt erfordert es also, dass alles Verkehrte, Sündige, Unrichtige, alles Unrecht und Vergehen, alle Schuld und jede Übertretung göttlicher Ordnungen aus der Welt ausgeschieden wird.
Dieses Hinrichten des Alten und das Herrichten des Neuen ist der Inhalt des Gerichtes, das über die ganze Welt ergeht. Richten heißt: richtig machen, das Rechte bzw. das Recht schaffen. (Vergleiche hierzu das gesamte Buch der Richter im Alten Testament, in dem Gott zeigt, wie er in jeder Not einen rettenden Richter erweckt, durch den er dem Volk Hilfe brachte. Erst überließ er sie der Hand ihrer Feinde, die sie hinrichteten; dann erweckte er ihnen rettende Richter, die sie wieder herrichteten. Ein Vorschatten auf den Heiland, der ebenfalls hinrichten und herrichten wird.)

Auf diesem Wege (Hinrichtung des Alten und der Herrichtung des Neuen) geht in jedem Abschnitt der göttlichen Heilsgeschichte jeweils die Gruppe, die Gott aus der Gesamtmasse des Teiges ausgewählt hat, zielweisend voran, als Neu-Anbruch. Die Herrlichkeit der Berufung und der Reichtum ihrer Gnadengaben bringen aber auch ein entsprechendes Maß der Verantwortlichkeit gegenüber dem, der ihnen das alles anvertraute: Gott.

Er selbst wacht auch darüber, dass seine Heiligkeit nicht angetastet wird. Wo sein Name unter denen, die mit Glauben nicht viel anfangen können, gelästert wird um derer willen, die sich nach seinem Namen nennen, eifert Gott um diesen Namen und bringt durch seine Gerichte Ferne und Nahe zu der Erkenntnis, dass er ein heiliges und verzehrendes Feuer ist, und dass er den Missbrauch seines Namens nicht ungestraft lässt.

Darum steht die Gemeinde dem Gericht viel näher als die ungläubige Völkerwelt, denn "wem viel gegeben ist, von dem wird viel gefordert" (Lukas 12:41-48).

Für den einzelnen Gläubigen, der trauert über die Schäden der Gemeinde (des Hauses Gottes, vgl. Epheser 2:19-22; Hebräer 3:6; 1. Petrus 2:4,5), gibt es eine Möglichkeit, durch die Gnade vor dem Gericht bewahrt zu werden:

"Wenn wir uns selbst zur Rechenschaft ziehen würden, müsste der Herr uns nicht auf diese Weise richten." (1. Korinther 11:31; GN)

Alles aber, was nicht durch ernstes Selbstgericht geht, fällt unweigerlich unter das Gericht Gottes, das vor dem allgemeinen Weltgericht sein eigenes Haus trifft. Er kehrt zuerst vor seiner eigenen Türe! "Das Gericht fängt an am Haus Gottes." Denn Gnade ist nur für gerichtete Leute! Und wer sich nicht selber richtet, der wird eben gerichtet, damit die Barmherzigkeit triumphieren kann über das Gericht (Jakobus 2:13).

All dieses Handeln der unergründlichen Weisheit Gottes in seinen Gerichten (Römer 11:33-36) entspringt der Liebe: dem Urgrund seines Wesens. Denn Gott ist Liebe (1. Johannes 4:8, 16).

Sein Wesen kann daher durch nichts anderes so schlimm verlästert und geschändet werden, als durch Lieblosigkeit unter den Seinen.
An ihnen sucht man zuerst die Gleichartigkeit mit ihm (wenn auch nicht dem Maße nach, so doch der Art nach). Er hat ja seine Liebe durch den Heiligen Geist ausgegossen in unsere Herzen und kann daher erwarten, dass wir als Teilhaber seiner göttlichen Natur (2. Petrus 1:3, 4) auch seiner Art gemäß einander lieben (2. Petrus 1:22, 23). Dies ist das Zeugnis, das wir vor der Welt abzulegen haben, wenn wir überhaupt beanspruchen, seine Nachfolger zu sein (Johannes 17:21-26).

Liebe ist das Zeugnis Gottes für die ganze Welt. Sie ist das Einzige, das von allen verstanden wird. Selbst der Hund hinter dem Ofen empfindet, ob ihn sein Herr gütig oder böse anschaut. Wieviel mehr der Mensch oder die Engelwelt! Darum soll aus den Herzen der Wiedergeborenen der Widerschein der Liebe Gottes aufstrahlen: "Lasst uns ihn lieben, denn er hat uns zuerst geliebt" (1. Johannes 4:19). Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt, das ist das größte Gebot. Und das andere, ihm gleiche, ist dies: den Nächsten zu lieben wie sich selbst (Matthäus 22:36-40; Markus 12:28-31; 1. Petrus 1:22).

Wo die Liebe fehlt, fehlt Gott! Wo er ist, ist Liebe!

Was nützt es nun, wenn die Liebe als Erweis der Innewohnung und Gegenwart Gottes und Christi und des Heiligen Geistes fehlt, aber dafür der Mensch, der sich nach Christi Namen nennt, um Lehrsätze und Bekenntnisse streitet bis zum Fanatismus? – Ist Fanatismus nicht gerade ein eindeutiges Kennzeichen von Unsicherheit und Schwäche, eine Über-Leistung auf einem Randgebiet, die den Mangel in der Mitte verdecken möchte? – Ist nicht jede Flucht ins Förmliche das Eingeständnis, dass es am Wesenhaften (dem inhaltlichen, authentischen Reichtum) mangelt? – Und die Welt, die dringend das Zeugnis der Liebe braucht: Kann ihr der ungeistliche Kampf um menschliche Dogmen etwa Ersatz bieten für das fehlende Zeugnis der Liebe? –

Gott ist der Wesenhafte, der Seiende, der Wahrhaftige, die Wahrheit. Er lässt sich auch durch die frömmsten Formen und Zeremonien nicht täuschen. Vor ihm gilt nur das wahre Wesen (der innere Kern der Aufrichtigkeit und Liebe einer Person). Dieses allein entspricht ihm.

Das Geschöpf besitzt von Natur aus nicht die Wesenhaftigkeit des Schöpfers. Es vermag sie auch nicht aus sich selbst zu erzeugen, da es keinen Weg, kein Mittel und keine Methode gibt, aus Fleisch Geist zu machen. Die Gottnatur kann dem Geschöpf nur auf dem Weg der Gnade geschenkt werden. Gott will ja dem Geschöpf nichts vorenthalten. Wenn es einmal erscheinen wird, was wir sein werden, dann werden wir ihm gleich sein (1. Johannes 5:2,3). Aber von uns aus können wir uns diese Gottesherrlichkeit unmöglich aneignen, weder mit List noch mit Gewalt, weder mit guten Werken noch mit frommen Leistungen anderer Art, am allerwenigsten durch das Einhalten von Formen und Zeremonien.

Gottes Geist, als Träger seiner Wesensart, bringt den Samen des Wortes Gottes in uns zum Aufleben und zeugt so mit unserem Geist neues Leben. So empfängt der Glaubende die Gotteskindschaft und wird dadurch göttlicher Natur teilhaftig. Und nur das, was ihm an Wesenhaftigkeit von oben geschenkt wurde, steht unter dem Wohlgefallen Gottes und vermag als neue Schöpfung auch wieder den Wohlgeruch eines vollkommenen Brandopfers zu Gott hinaufsteigen zu lassen.

Deshalb war es gut, dass der Herr wieder hinging zu seinem Vater, um uns den Geist zu senden. Solange der Herr im Fleisch hier unten wandelte, konnte er ja nur neben seinen Jüngern hergehen. Nach der Sendung des Geistes aber wohnt der Christus in unseren Herzen und Gott selbst hat seine Gottnatur, sein Wesen dadurch in uns verwirklicht, so dass er nun als anerkannt großes und einzigartiges Geheimnis für immer geoffenbart wird durch Menschen, die sich durch seinen Geist prägen und umgestalten lassen – so wie Gott zuerst geoffenbart wurde durch den Sohn der Liebe, den Erstgeborenen der Brüder.

Wo dieser Geist sich in ein Menschenherz ergießt, da erfüllt er es auch mit der Liebe Gottes (Römer 5:5). Da wird das Wesen Gottes als köstliche Frucht, als wunderbare Folge seiner Innewohnung dargestellt. Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Selbstbeherrschung (Galater 5:22).

Gegen diese gibt es kein Gesetz (Galater 5:23). Darum gibt es auf dieser Linie auch kein Gericht.

 

Erst Liebe - dann Erkenntnis

Die Liebe ist auch die Voraussetzung zu jeder tieferen Gotteserkenntnis. Darum bittet auch Paulus erst dann für die Epheser um die Gottes-Erkenntnis, nachdem er von ihrer Liebe zu allen Heiligen gehört hatte (Epheser 1:15-19), weil die Liebe zu den Kindern Gottes der Beweis für die Liebe zum Vater ist. Wer den liebt, der geboren hat, liebt auch die, die aus ihm geboren sind (1. Johannes 5:1). Die Erkenntnis der alles übersteigenden Liebe Christi führt zu einer Erfüllung mit der ganzen Fülle Gottes (Epheser 3:14-21). Und indem wir die in uns ausgegossene Gottesliebe an den Brüdern ausüben, werden wir zu einer Vollendung in der Liebe geführt (1. Johannes 2:12). Diese wesenhafte Erfüllung mit der ganzen Gottesfülle, die sich in überströmender Liebe äußert, befähigt uns zur Erkenntnis und zur Einsicht in alles:

"Und das ist meine Bitte an Gott: dass er eure Liebe, verbunden mit der rechten Erkenntnis und dem nötigen Einfühlungsvermögen, immer größer werden lässt.
10 Dann werdet ihr in allen wesentlichen Dingen ein sicheres Urteil haben und werdet ein reines, untadeliges Leben führen, bereit für den Tag, an dem Christus wiederkommt.
11 Durch ihn, Jesus Christus, wird euer Tun von dem geprägt sein, was gut und richtig ist – zum Ruhm und zur Ehre Gottes." (Philipper 1:9-11)

Ihr gegenüber ist alles lehrmäßige Wissen und Aneignen von Kenntnissen nur allerärmstes Stückwerk, während die Liebe, als das Band der Vollkommenheit, alles einschließt und daher auch alles erschließt. Wo die Herzen in Liebe vereinigt sind, gelangen sie zur Vollgewissheit der Vollerkenntnis des Geheimnisses Gottes, in dem alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen sind (Kolosser 2:2,3). Darum ist Jesus liebhaben auch besser als alles Wissen, und ohne diese Liebe ist aller Glaube und alle Erkenntnis nutzlos, ja, auch alle guten Werke und selbst der Märtyrertod sind nutzlos ohne sie (1. Korinther 13:1-15).

Die Todsünde: nicht zu lieben

Die Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes. Wer Gott liebt und den Bruder liebt, der hat damit die Summe des ganzen Gesetzes (Matthäus 22:40; Römer 13:10). Darum ist auch die Liebe das Leben! Hieran wissen wir, dass wir aus dem Tod in das Leben hinübergegangen sind, weil wir die Brüder lieben! (1. Johannes 3:14) Wer aber den Bruder nicht liebt, der bleibt im Tod. Er ist noch gar nicht zum göttlichen Leben erwacht. Wäre er das, so könnte er nicht anders, als die, die aus Gott geboren sind, gerade so zu lieben, wie den, der sie geboren hat. Ohne diese Liebe bleibt er im Tod. Was nützt ihm da der schönste Lehrsatz über Todsünde? – Hier ist die Todsünde! Wer nicht liebt, bleibt im Tod! Das ist das Zeugnis des gesamten Neuen Testamentes, ganz besonders das des Johannes, der es von seinem Herrn und Meister wusste, an dessen Brust er lag.

Nun streiten die, die nicht von der Liebe Gottes erfüllt sind, für Gott und um Gott!! Sie machen Theologengezänke und konstruieren die kompliziertesten Begriffsgebilde auf dem Wege philosophischer Schlussfolgerungen, aber sie lieben nicht die Brüder. Sie reden sogar von der Liebe, aber sie lieben nicht mit Tat und mit Wahrheit, lieben nicht wesenhaft, so, wie der, der sein Leben für die Brüder niederlegte, damit auch wir bereit seien, unser Leben für die Brüder niederzulegen.

Der wesenhafte Gott lässt sich nicht täuschen! Er sucht an denen, die seinen Namen tragen, sein Wesen, die Frucht des Geistes, die Liebe! Was nicht aus dieser Quelle fließt, ist "Fleisch" (also die sündige, unerlöste Menschennatur)! Es mag vielleicht frommes Fleisch sein, aber das ist noch gefährlicher als das leicht erkennbare ungläubige Fleisch.

Barmherziger SamariterSatan verstellt sich ja als Engel des Lichts (2. Kor. 11:14). Das zeigte er nirgends deutlicher als bei der Verurteilung Christi: Nicht die groben Sünder brachten ihn zu Tode, nicht die Zöllner und Huren, sondern die Vertreter des religiösen Systems, noch dazu eines Systems, das sich rühmen konnte, von Gott selbst angeordnet worden zu sein in seinem ganzen äußeren Aufbau. Das Wesenhafte fehlte bei ihnen: die Liebe. (Vergleiche Johannes 8:42 mit Lukas 7:47). Mag auch das fromme Fleisch noch so gut getarnt sein, so dass viele der Täuschung erliegen, wenn Satan im Gewand eines Lichtengels auftritt – Gott selbst, der Wesenhafte, erliegt solch einer Täuschung nicht. Er fordert Wahrheit, Wesenhaftigkeit von denen, die sich nach ihm nennen und den Namen des Sohnes der Liebe tragen, des Christus.

Christ sein heißt: das Wesen Christi an sich tragen, nicht nur seinen Namen! Das Wesen des Sohnes der Liebe aber ist die Liebe, womit er uns liebte und sein Leben niederlegte für die Brüder.

Wenn er nun heute aus jenem unzugänglichen Licht herabschaut auf die Menschenkinder, die seinen Namen tragen, erblickt er in ihnen auch sich selbst, sein Wesen? – Geben sie der Welt das Zeugnis, dass sie sein sind; weil sie Liebe untereinander haben?

Wir wollen nicht nach den anderen schauen! Wir wollen zuerst uns selbst fragen: Gebe ich das Zeugnis?

Wenn dieses Zeugnis nicht an uns gefunden wird, so wartet das Gericht auf uns. Es beginnt ja am Hause Gottes!

Wundern wir uns noch, dass der Herr seine Gerichte nicht nur die Welt treffen lässt? – Sind wir nicht vielmals schuldiger als sie? – Haben wir nicht viel empfangen, sogar unendlich viel? – Kann er daher von uns nicht auch viel fordern? – Ist Lieblosigkeit nicht die schlimmste Verkehrung seines Wesens? – Wird er dadurch nicht vor der Welt als sein Gegenteil dargestellt? – Kann er solche Lästerung ungestraft lassen? –

Nein, wer seinem Bruder zürnt, ist dem Gericht verfallen (Matthäus 5:22).

Darum stimmen wir dem Wort des Herrn zu: "Das Gericht fängt an am Haus Gottes!" (Vergleiche hierzu noch 1. Korinther 6:1,2; 1. Petrus 2:23; Jakobus 2:11,12; 5:9; Matthäus 12:36; Römer 14:10-13; 2. Korinther 5:10.)

Und nun? – Was wollen wir tun? – Stehen wir jetzt, da wir wissen, dass die Lieblosigkeit die Todsünde ist, nicht noch viel schwerer unter der Verantwortlichkeit? –

Wollen wir weiterhin der Welt das Schauspiel geben, dass unsere Liebe so klein ist, dass wir uns nicht mit allen Heiligen zusammenfinden können? – Und dies nur deshalb nicht, weil wir angeblich diesen oder jenen Bekenntnispunkt des Bruders nicht unterschreiben können? – Gott fordert nur einen Bekenntnispunkt von uns, nämlich den, dass sein ins Fleisch gekommener Sohn unser Herr sei! (Römer 14:10,11; Philipper 2:1-11; 1. Johannes 4:1-3; Römer 10:9 u. a.)

Warum vermehren wir die Bekenntnispunkte, wie die Schriftgelehrten die Vorschriften vermehrten, so dass sich zuletzt Vorschrift an Vorschrift reihte, Satzung an Satzung, bis das Volk sich nicht mehr auskannte und nur noch die "Fachleute" den äußeren Umfang der Satzungen kannten, aber von ihrem inneren Wesen weiter entfernt waren als die Zöllner und Huren, die nach dem Zeugnis des Herrn den Schriftgelehrten und Pharisäern vorangehen sollten ins Reich der Himmel? –

Pharisäer und Sadduzäer

Alles natürliche Wissen schreitet ständig fort in eine immer größere Differenzierung und damit auch in eine immer größere Zersplitterung der Gesamtschau. Die Liebe aber steht mit Gott im Zentrum. Sie ist die große Zentralschau. Darum auch ist Christus liebhaben besser als alles Wissen. Aus ihm, der Liebe, ist Alles-was-existiert; und aus ihm heraus, aus seiner Liebe heraus, verstehen wir auch Alles-was-existiert; zunächst noch nicht in seinen Einzelheiten, dafür aber in seinem Grundzusammenhang. Und von hier aus löst sich alles leicht und einfach. Wer lieben kann, dringt in allem immer tiefer auf den Grund; wer nicht lieben kann, entfernt sich immer weiter von dem Zentrum und verliert sich in den Randgebieten. Dort jagt er den äußeren Erscheinungen der Dinge nach, aber ihr tiefstes Wesen bleibt ihm verschlossen. Er ist vielleicht ein großer Gelehrter, aber kein Prophet. Er weiß viel, aber ihm fehlt die innere Schau, die bis zum Grunde durchdringt, denn der Geist erforscht alles, auch die Tiefen Gottes (1. Korinther 2:10; vergleiche auch das ganze Kapitel!).

Weil die Liebe die große Zentralschau ist und die Grundzusammenhänge erkennt, kann sie allein auch wesenhaft helfen. Und das will sie auch! Liebe ist ja Wille zur Gemeinschaft. Darum räumt sie alles aus dem Wege, was die Gemeinschaft hindern könnte. Sie sucht nicht ihr eigenes Wohl, sondern das des anderen (Philipper 2:4). Darum stellt sie sich auch unter die Last des Bruders, um ihn mit sich an das gemeinsame Ziel zu bringen. Sie trägt auch nicht nur etliches oder vieles! Die Liebe trägt alles!

Wer nicht tragen und dulden kann, liebt nicht! Und wer nicht liebt, bleibt im Tod!

Wollen wir im Tod bleiben? – Soll das Gericht bei dir oder bei mir beginnen? – Oder soll reiches, überströmendes Gottes- und Christusleben aus unserem Inneren fließen und ringsum die tote Welt erneuern? – (Johannes 7:38,39)

Christi Leib ist größer als deine Glaubensgruppe

Sollen die Mauern menschlicher Bekenntnisse und Konfessionen auch weiterhin den Bruder vom Bruder trennen, und soll hierdurch auch fernerhin der Name des Herrn stinkend gemacht werden vor der Welt? –

Geht es uns nur um unsere Lehre, oder geht es uns um seine Ehre? – Wollen wir immer noch auch dem "Woher?" fragen und nicht vielmehr nach dem "Wohin?" –

Das Woher, also die Kirche oder Freikirche oder Gemeinschaft oder Benennung (Denomination), aus der du herkommst, ist nebensächlich. Wichtig ist das Wohin: ob du zur Kirche Christi gehörst und unter Kirche seine Gemeinde verstehst, oder nur die Vereinigung, zu der du gerade gehörst.

Die Kirche Christi ist die Gemeinschaft der Heiligen. Jeder, der von Gott selbst durch seinen Geist zu dem einen Leibe Christi hinzugetauft ist, gehört zu dieser Kirche. Gott selbst hat ihn hinzugefügt (1. Korinther 12:11-13).

Jesus inmitten seiner Jünger

Das ist die wesenhafte Einheit, die Einheit des Geistes, die wir zu bewahren haben im Bande des Friedens (Epheser 4:3). Gott hat das Hinzufügen eines Gläubigen dem Zugriff jedes Geschöpfes entzogen. Er selbst fügt hinzu, indem er seine Gottnatur durch seinen Geist in uns ausgießt; und alle, die dieses Wesen Gottes in sich tragen, gehören damit auch wesenhaft zum Leib seines Sohnes, des Christus. Anders aber, nämlich nur formell, kann man überhaupt nicht dazu gehören. Wer Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein (Römer 8:9), mag er auch äußerlich, d. h. formell, zu irgendeiner Kirche gehören, sie mag sich nennen wie sie will.

Wer durch eine Neugeburt im Geiste der Gottnatur teilhaftig wurde, liebt den, der ihn geboren hat. Und er liebt ihn in denen, die von ihm geboren sind. Und Gott prüft unsere Liebe zu ihm selber an der Liebe, die wir zu seinen Kindern haben.

Lieben wir ihn so in seinen Kindern, dass es für uns keine Zwischenwand der Umzäunung mehr gibt? – Dann hindert die Zugehörigkeit zu einem anderen Bekenntnis nicht mehr die Gemeinschaft untereinander. Der Heilige Geist aber, der unsere Herzen zur Gemeinschaft der Heiligen leitete, wird auch unsere Lippen leiten, so dass wir einmütig und mit gleicher Zunge Jesus als unseren Herrn bekennen. Dies ist das von Gott verordnete Bekenntnis.

Alle Erweiterungen stammen von Menschen. Mögen sie auch noch so richtig sein und weitgehend mit der Schrift übereinstimmen, so engen sie durch ihre Unzahl immer mehr den Kreis derer ein, die in all den Randgebieten noch die gleiche Erkenntnis haben. Damit aber erweisen sie sich als gemeinschaftshindernd, während die Liebe als die große Zentralschau nicht ungezählte Punkte bekennt, sondern an einer einzigen Person hängt, nämlich am Herrn Jesus Christus. Und sie ist darin eins mit allen denen, die ihn auch lieben. Da braucht's keine Worte! Einheit des Geistes! Nicht Einheit der Form! Wo ein Geist ist, strömt das gleiche Leben in allen Gliedern, mögen sie auch noch so vielgestaltig sein. Sie sind von innen zusammengehalten durch den einen Geist des Lebens, der sie durchwirkt. Das ist das Kennzeichen eines Organismus.

Die Organisationen aber sind von außen zusammengehalten durch Satzungen. Der Buchstabe aber tötet. Je starrer ein Bekenntnis ist, umso lebenshemmender wirkt es sich aus auf die davon Eingeschlossenen. Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit (2. Korinther 3:17; Galater 5:1,13). Einheit und Freiheit! Das sind die Zeichen des Geistes, dessen erste Frucht die Liebe ist. Einheit und Freiheit bei den Kindern Gottes, weil Einheit und Freiheit so in Gott selbst existiert.

Wer diesem Liebeswillen trotz allem widerstrebt und das Zeugnis der Liebe an die Welt verhindert, wird noch vor der Welt ins Gericht kommen, denn das Gericht beginnt am Hause Gottes.

Die Endzeit, die mit Riesenschritten herbeieilt, wird im Zeichen der Anti-Christusse über die Welt brausen und nicht Halt machen vor traditionellen Formen. Da geht es nicht mehr um die Zugehörigkeit zu diesem oder jenem Bekenntnis, zu dieser oder jener Kirche. Vielmehr heißt es dort ganz eindeutig: "Für oder gegen Christus!" - Das ist die letzte und wesenhafte Entscheidung, und es zeigt sich hierbei wieder einmal, dass die Kinder der Welt sehr gut wissen, worum es letzten Endes geht. Sie lassen sich nicht beirren in ihrem Urteil von den verschiedenen Fassungen und Formen, sondern fragen nach dem wesensmäßigen Inhalt unseres Glaubens und damit auch unseres Bekenntnisses: nach Christus. Für ihn oder gegen ihn! Etwas anderes gibt es nicht mehr in der Endzeit.

Ist das nicht beschämend für die, die sich nach seinem Namen nennen, dass die Welt sie nach dem Wesensinhalt ihres Glaubens fragen muss, während sie selbst sich durch Jahrhunderte hindurch untereinander bekämpften um der Form willen? –

Und liegt hierin nicht auch der Grund, warum das Gericht am Haus Gottes beginnen muss?

Wenn er, der Herrliche und Heilige, seine Gemeinde noch einmal zusammenfassen will, ehe er sie zu sich hinaufnimmt in der Entrückung, dann muss er sie zuvor reinigen in einer großen Zentralreinigung. Dabei werden alle Formen, die der Gemeinschaft der Heiligen hinderlich sind, zerschlagen werden. Und Gott wird dies tun! Denn das Ende wird zum Anfang zurückkehren, und er wird durch Gericht und Gnade die erste Liebe wiederherstellen, d. h. die Liebe, in der ER den ersten Platz einnimmt.

Wollen wir die große Entscheidung, die von uns gefordert wird, nicht schon jetzt fällen und zur ersten Liebe zurückkehren? –

Dann werden wir uns auch leicht mit denen zusammenfinden, denen es ebenfalls um nichts anderes geht, als um Christus.

UniformitätJeder Versuch aber, die eine heilige, christliche Kirche (una sancta ecclesia) auf dem Wege über die Vereinheitlichung der Form zu bilden, ist ein Beitrag Satans.

Es geht doch um das Wesenhafte, nicht um die Form. Die Kirche der Endzeit wird eine Märtyrerkirche sein. Die streitet nicht mehr um Formen. Da geht es um das Letzte. Dort hat nur das Bestand, was aus dem Ewigen selbst gezeugt ist.

In jenem Gerichtsfeuer, das am Hause Gottes beginnt, läutert er die Seinen, die dann noch auf der Erde sind, damit die Welt ihn erkennt:

"Viele werden sich reinigen und sich weiß machen und geläutert werden. Die Schlechten werden schlecht handeln und keiner von ihnen wird all das verstehen. Doch die, die Einsicht haben, werden es verstehen. Die Verständigen aber werden leuchten wie der Glanz der Himmelsfeste, und die, welche viele zur Gerechtigkeit geführt haben, wie die Sterne in alle Ewigkeit." (Daniel 12:10,3)

Du und ich aber, die wir jetzt schon wissend sind um diese Dinge und Entscheidungen, die sie bringen, was wollen wir tun, um unserer Verantwortlichkeit gerecht zu werden? –

Es gibt nur einen Weg, den wesenhaften Weg nämlich, den Weg der Liebe! (1. Korinther 12: 31; 13:1-13)

Lass uns ihn gehen, damit das Gericht, das am Haus Gottes beginnt, an dir und mir nichts zu rächen hat!

 

(Quelle des Originals: "Gnade und Herrlichkeit". Karl Geyer.
Paulus-Verlag, 1949)

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