Deutsch   English   Français   Nederlands   Español   Polski

YouTube-Button facebook-Button

JHWH in hebräischen Buchstaben

Spendenmotive –
passend oder unpassend? Dieser Artikel ist besonders für Zeugen Jehovas interessant

Hand mit EC-Karte


"Alle Jahre wieder
Kommt der Spendenruf
Im November-Wachtturm:
Macht die Börsen auf!"

 

Im Studien-Wachtturm vom 15. November 2015 wird auf gewohnt nachdrückliche Weise um finanzielle Unterstützung gebeten.

Während der Text auf Seite 14 zu Recht Jehovas grenzenlose liebevolle Großzügigkeit in den Mittelpunkt rückt, appelliert der grau unterlegte Text auf Seite 15 an ganz andere Motive. Schauen wir uns den Text genauer an.

Unter dem Zwischentitel "Spenden mit Vereinbarung" findet sich der Satz:

"Da gesetzliche Vorschriften und Steuervorschriften von Land zu Land verschieden sind, ist es wichtig, einen Steuer- oder Rechtsberater aufzusuchen, um für sich die beste Möglichkeit zu finden."

Das klingt zunächst mal nach praktischer Weisheit. Da ist jemand umsichtig zugunsten seiner spendenwilligen Brüder. Wie lieb. Wie rücksichtsvoll und uneigennützig.

Was jedoch irritiert, ist, dass dieses Motiv der Steuervorteile auf dieser Seite gleich dreimal erwähnt wird:

Spendenaufruf im Wachtturm

Was ist daran verkehrt? Schließlich schrieb doch der Apostel Lukas unter Inspiration in Kapitel 16 Vers 9: "Auch ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Reichtum, damit, wenn dieser versagt, sie euch in die ewigen Wohnstätten aufnehmen."

Diejenigen, die uns in die ewigen Wohnstätten aufnehmen können, sind primär Jehova und dann Jesus, von dessen wohlwollendem Urteil wir alle abhängen. Bedeutet der Vers also, dass wir uns Jehova und Jesus durch Geldspenden gewogen machen können, damit sie uns, wenn das heutige Finanzsystem zusammenbricht ("versagt"), in die Wohnstätten unserer ewigen Bestimmung eintreten lassen, sei es im Himmel oder auf der Erde?

Das kann nicht sein, denn das würde den biblischen Straftatbestand der Simonie erfüllen. Wir erinnern uns: Simon bot den Aposteln Geld an, um durch Händeauflegen die Gaben des Geistes zu erhalten. Gemäß dem Bericht in Apostelgeschichte 8:20, 21 gab Petrus ihm, ebenfalls unter Inspiration, die heftige Antwort: „Dein Silber gehe mit dir zugrunde, weil du dachtest, durch Geld in den Besitz der freien Gabe Gottes zu gelangen. Du hast weder Anteil noch Anrecht an dieser Sache, denn dein Herz ist in den Augen Gottes nicht gerade."

Stellen wir die Frage anders:
Welche Wirkung erhoffen sich die Verfasser dieses Textes? Natürlich Spendenbereitschaft bei dem, der ihn liest. Um Spendenbereitschaft zu erzeugen, appelliert man an das Motiv des Lesers, das man für das stärkste hält. Und welches Motiv hält die Leitende Körperschaft für die stärkste Triebkraft des Verkündigers? Welcher Köder wird gleich 3mal ausgeworfen?
Persönliche Steuervorteile.
Also selbstsüchtige materielle Interessen.

Das ist unschön. Und nicht nur das, es wirft ein fragwürdiges Licht auf die Einstellung der Verfasser. Schließt man hier von sich selbst auf andere?

Bemerkenswert ist, wie derselbe Spendenaufruf in der Online-Version des November-Wachtturms auf JW.org im Inhaltsverzeichnis erscheint:

Online-Spendenaufruf 11/2015

Dieser weise Satz von den passenden und unpassenden Spendenmotiven wird in dem Artikel leider nicht aufgegriffen und weiter erläutert. Aber indirekt vorgeführt. Die "passenden" Spendenmotive werden nach links auf Seite 14 sortiert, die "unpassenden" Motive nach rechts auf Seite 15. Schön säuberlich getrennt, wie übersichtlich. (Ein weiterer Hinweis, dass der sogenannte "Sklave" in sich geteilt ist, was die Reinheit der Einstellung angeht.)

Und was tut nun der aufrichtig freigebige Verkündiger? Vielleicht hat er nur ein unbestimmtes, flüchtiges Gefühl des Missbehagens gespürt und zückt dennoch seine EC-Karte, wie es das Foto vorgibt. Vielleicht wird er aber auch stutzig, der Name "Ananias" schießt ihm blitzartig durch den Sinn, warum nur?, und er fühlt in sich eine Regung, für die es ein modisches Wort gibt:

"Fremdschämen"*.

Wer spendet noch unbefangen, wenn man ihm Selbstsucht unterstellt?
Wohin fließen eigentlich unsere Spendengelder?
Warum gibt es keine Übersicht über Einnahmen und Ausgaben?
Ist an den Gerüchten über Aktenbesitz der WTBTS etwas dran?
Hast du auch manchmal so ein komisches Bauchgefühl?

*Wort des Jahres 2010 in Österreich

Pfeil nach oben