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Kindesmissbrauch unter Zeugen Jehovas – Niederlande Deutsch

Auch in den Niederlanden rückt das entsetzliche Thema des Kindesmissbrauchs und der nicht weniger schädlichen internen Handhabung durch Gemeindeführungen der Zeugen Jehovas in den Blickpunkt.

Der folgende Artikel erschien am 23.01.2020 im niederländischen Online-Nachrichtenmagazin "NU.nl". Hier unsere Übersetzung:

 

junge Frau verbirgt Gesicht in den Händen

Missbrauch in Jehova­gemein­schaft: 'Ich durfte mit niemandem darüber sprechen'

23 januar 2020 | Quelle: NU.nl

Am Donnerstag entscheidet der Richter über die Frage, ob ein Bericht über sexuellen Missbrauch in der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas veröffentlicht werden kann. Ein wichtiger Moment für die 33-jährige Maria Kramer*. Sie wurde jahrelang durch eine Person missbraucht, die eine hohe Position in der Gemeinde innehatte.


Kramer wuchs in einer, wie sie es nennt, "durchschnittlichen" fünfköpfigen Jehova-Familie auf. Ihre Eltern waren Mitglied der Gemeinschaft, was bedeutete, dass sie den Glauben mit der Muttermilch aufgesogen hat. "Ich ging schon von Haus zu Haus, als ich noch im Kinderwagen saß."

Die Familie wohnte in einem Ort in der Nähe von Rotterdam, wo zu jener Zeit zwischen drei- und vierhundert Zeugen Jehovas wohnten, verteilt auf drei sogenannte Jehovagemeinden. Kramer wurde von ihren Eltern auf eine öffentliche Schule geschickt, wo von ihr erwartet wurde, dass sie jede Chance nutzte, um den Glauben unter Gleichaltrigen zu verbreiten.

Raum für ein soziales Leben außerhalb der Gemeinschaft gab es nicht. "Ich war mit nichts anderem beschäftigt als mit dem Glauben", erzählt Kramer. "Ich durfte nicht mit anderen Kindern außerhalb der Gemeinschaft zusammensein oder einen Mannschaftssport ausüben, weil Einflüsse von außen gefährlich sein könnten."

Sexuell missbraucht durch einen Ältesten

Aber es stellt sich heraus, dass gerade in der Gemeinschaft die Gefahr lauerte. Kramer wurde von einem Ältesten sexuell missbraucht, jemandem mit einer hohen Funktion innerhalb der Gemeinschaft. Der Missbrauch hielt jahrelang an.

"Als ich fünfzehn war, hab ich es gewagt, diese Geschichte meiner Mutter mitzuteilen. Es stellte sich heraus, dass auch sie missbraucht worden war", erzählt Kramer. "Wir haben nie darüber gesprochen, wie sie den Missbrauch erlebt hat. Sie wollte lieber nicht darüber sprechen."

Kramer brachte, zusammen mit ihrer Mutter, den Missbrauch bei der Gemeinschaft zur Sprache. Hierauf kamen zwei andere Älteste zu Besuch, um ihre Geschichte anzuhören.

 


"Ich habe so schnell wie möglich meinen Führerschein
gemacht und einen Job gesucht, um allein
wohnen zu können."
Maria Kramer, Missbrauchsopfer


 

Ältester durfte als Mitglied der Gemeinde aktiv bleiben

"Alle Details des Missbrauchs wurden von den Männern erfragt", erzählt Kramer betroffen. "Wenn ich ehrlich bin, ist das nach dem tatsächlichen Missbrauch das schlimmste, was ich je mitgemacht habe. Ich hab mich noch nie so nackt gefühlt."

Der Älteste wurde aus dem Amt entfernt, aber durfte als Mitglied der Gemeinde aktiv bleiben. Seine Frau durfte weiterhin kleine Kinder bei sich zu Hause aufnehmen, um sie zu betreuen.

In der Gemeinschaft wurde der Grund für seine Amtsenthebung nicht bekannt gemacht. "Ich wurde angewiesen, mit niemand darüber zu sprechen. Ich konnte nur zu den Ältesten gehen, um meine Geschichte zu besprechen."

Abgesehen von dem Missbrauch, konnte Kramer ihrer Auslegung der Bibel und ihrer Lebensauffassung nicht zustimmen. Schließlich beschloss sie, die Gemeinschaft zu verlassen. "Ich hab so schnell wie möglich meinen Führerschein gemacht und einen Job gesucht, um allein wohnen zu können."

Die Eltern brachen den Kontakt ab

Es erwies sich als sehr schwierig, ein neues Leben aufzubauen, denn Kramer hatte keine Beziehung zu Menschen außerhalb des Glaubens. Auch brachen ihre Eltern den Kontakt zu ihr ab. "Von Familie und Freunden wird erwartet, dass sie keinen Kontakt mehr mit mir haben. Ich wurde von allen, die ich kannte, auf einmal fallen gelassen."

Die letzten vierzehn Jahre waren schwer für Kramer. Aber nachdem sie letztes Jahr depressiv wurde, sagt sie, sie habe die richtige Hilfe gefunden und die Vergangenheit fast aufgearbeitet. "Aber ich habe immer noch ein enormes Problem damit, anderen zu vertrauen."

Kramer hofft, dass der Richter am Donnerstag beschließt, dass der Bericht veröffentlicht werden kann. "Ich hoffe, dass die interne Handhabung, so wie sie jetzt üblich ist, verboten wird, damit andere Opfer angemessene Hilfe erhalten können."

Sie selbst hat nie Anzeige bei der Polizei erstattet, denn davon wurde durch die Gemeinschaft abgeraten. "Das ist der Kern der Geschichte: alles musste intern bleiben. Und als ich ging, wollte ich es hinter mir lassen."

*Maria Kramer ist ein fiktiver Name. Ihr wirklicher Name ist der Redaktion bekannt.

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Update: Das Gericht hat den Bericht der Universität Utrecht über Zeugen Jehovas und Kindesmissbrauch zur Veröffentlichung freigegeben. Lese hier über die ersten Reaktionen der niederländischen Politik.

 

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