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JHWH in hebräischen Buchstaben

Das Problem des Kindesmissbrauchs unter Zeugen Jehovas – Portugal

Dokumentarfilm "Na Sombra do Pecado"

Film "Na sombra do pecado" Am 18. Oktober 2015 strahlte der portugiesische Sender TVI die Reportage "Im Schatten der Sünde" der Journalistin Ana Leal aus.

Thema: die schädlichen Auswirkungen der Regeln im Umgang mit Kindesmissbrauch unter Zeugen Jehovas, deren Umgang mit häuslicher Gewalt und andere problematische Verfahrensweisen.

Obwohl die Dokumentation naturgemäß subjektive Berichte und stellenweise auch Ungenauigkeiten enthält (z.B. die unzutreffende Aussage, Zeugen Jehovas lehnten ärztliche Behandlung ab), macht sie auf schockierende Probleme und großes verborgenes Leid gerade unter den Schwächsten und Wehrlosesten der Organisation aufmerksam.

"Gott, der Vater, wird auf die rechte Art geehrt, wenn jemand den Waisen und Witwen in ihrer Not beisteht und sich nicht an dem ungerechten Treiben dieser Welt beteiligt." (Jakobus 1:27, GN)

Die Reaktion auf die Ausstrahlung? Viele besorgte Zeugen Jehovas riefen im portugiesischen Zweigbüro an und erhielten die Auskunft, es handele sich um Lügen von Ausgeschlossenen. Tatsächlich hatten einige der im Film interviewten Zeugen vor laufender Kamera ihren Austritt erklärt – was jedoch nicht den Wahrheitsgehalt der gemachten Aussagen und schrecklichen Erlebnisse verändert.

Frage der Glaubwürdigkeit

Ansprache von David SplaneWenige Tage später, am 1. November, besuchte David Splane, Mitglied der Leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas, das Zweigbüro in Carnaxide und hielt eine Ansprache, die per Internetstream zu rund 50.000 Zeugen Jehovas im portugiesischen Sprachraum übertragen wurde.

Zu Beginn erwähnte Splane Berichte, in denen schlecht über Zeugen Jehovas geredet werde. "Ein Journalist, der sich nicht nach Fakten erkundigt und nur eine Seite anhört, arbeitet unprofessionell. Ein Journalist, der so handelt, sucht nur nach einer Sensationsgeschichte, und dadurch wird es nur zu einem schlechten Bericht und nicht zu einem Tatsachenbericht." Das stimmt. Aber traf das auf die Reportage "Im Schatten der Sünde" zu, wie David Splane dadurch suggerierte?

Im Vorfeld hatte die Journalistin Leal verschiedene Versammlungen gebeten, an der Dokumentation teilzunehmen, und dem Bethel (Zweigbüro) die Videos und Aufzeichnungen vor der Veröffentlichung zur Kommentierung zur Verfügung gestellt. Sie war bereit, auch positive Erfahrungen über das Leben als Zeuge Jehovas in ihren Bericht einzuschließen. Alle Stellen lehnten es jedoch leider ab mitzuwirken.

Kann man ihrer Darstellung glauben?

Ana Leal vor dem Bethel CarnaxideAls Reaktion auf die Aussagen Splanes reiste die Journalistin Leal erneut mit einer Filmcrew nach Carnaxide, um dem Bethel die Möglichkeit einer Gegendarstellung zu geben. Nach einer halben Stunde erschien der Vorsitzende des Zweigkommittees, Pedro Candeias, und sagte: "Wir haben nichts hinzuzufügen."
Zur Erinnerung: Man hatte eine Kooperation abgelehnt.

Geoffrey Jackson bestätigt das Problem

Einen interessanten Gegenpol zur Aussage David Splanes bildet die Aussage seines Kollegen aus der Leitenden Körperschaft, Geoffrey Jackson, vor dem Australischen Staatlichen Untersuchungsausschuss am 14. August 2015. Unterstützt durch die präzisen Fragen des Staatsanwalts, sagte Jackson:

Q:
Akzeptieren Sie, Mr Jackson, dass viele der Anstrengungen, die von verschiedenen Personen und Organisationen gemacht werden, um das Thema sexueller Kindesmissbrauch hervorzuheben und Lösungen zu finden, aufrichtige Bemühungen sind, um die Situation zu verbessern?

Mr Jackson:
"Ich akzeptiere das, und deshalb bin ich glücklich, hier auszusagen."

Q:
Und dass solche Anstrengungen nicht notwendigerweise ein Angriff auf Ihre Organisation oder ihr Glaubenssystem sind?

Mr Jackson:
"Das verstehen wir."

Q:
Sie haben früher in Ihrer Aussage beschrieben, dass die Arbeit dieser Royal Commission förderlich ist. Akzeptieren Sie dann, dass die Anstrengungen der Royal Commission aufrichtig und gut gemeint sind?

Mr Jackson:
"Das tue ich sicherlich. Und deshalb kamen wir herein zur Royal Commission und hofften, dass gemeinsam etwas herauskommen würde, das uns ebenso hilft wie allen anderen."

Q:
Wären Sie dann anderer Meinung als jemand, der sagt, die Anstrengungen zum Hervorheben und Behandeln von sexuellem Kindesmissbrauch in der Kirche der Zeugen Jehovas beschäftigten sich mit Lügen von Abtrünnigen?

Mr Jackson:
"Ich schätze, das ist eine breitgefächerte Frage, denn manchmal erheben diejenigen, die diese Anklagen machen, auch viele andere Anklagen. Aber lassen Sie mich Ihnen versichern, die Person, die die Anklage macht, ist nicht die Hauptsache. Die Hauptsache ist: Gibt es eine Grundlage für die Anklage. Und wenn es irgendeinen Weg gibt, uns zu verbessern, ist die Leitende Körperschaft immer daran interessiert, ihre Verfahrensweisen zu verfeinern."

Wie sagt Jakobus 3:10,11: "Aus demselben Mund geht Segen und Fluch hervor. Dies, meine Brüder, sollte nicht so sein! Die Quelle sprudelt doch nicht aus derselben Öffnung das Süße und das Bittere hervor?" (ELB)

Spricht in diesem Fall die Leitende Körperschaft tatsächlich mit einer Stimme? Eine Stimme nach außen ("Das sind aufrichtige Bemühungen zur Verbesserung"), und eine Stimme nach innen ("Das sind Lügen von Abtrünnigen")?


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