Deutsch   English   Français   Nederlands   Español   Polski

YouTube-Button facebook-Button

JHWH in hebräischen Buchstaben


Der Gewissenskonflikt - Raymond V. Franz

3. Kapitel:  
Leitende Körperschaft

Die Auffassung der Zeugen Jehovas betreffend dem „treuen und verständigen Sklaven“ 

Sind der „lebende Überrest“ der ca. 9000 so genannten „Gesalbten“ wirklich Jesu Vertreter?

"Nicht, dass wir die Herren über euren Glauben sind, sondern wir sind Mitarbeiter an eurer Freude, denn ihr steht durch euren Glauben." (2. Korinther 1:24)

Diese Worte des Apostels Paulus kamen mir während der neun Jahre meiner Mitwirkung in der leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas wiederholt in den Sinn. Ich wünschte, alle Zeugen Jehovas könnten selbst erleben, wie einem in der Ausübung dieser Funktion zumute ist. Dann würden sie vielleicht begreifen, was Worte allein nicht vermitteln können.

Was ist die leitende Körperschaft nun genau?

Die christliche Gemeinde oder Versammlung wird nach Auffassung der Zeugen Jehovas von Christus Jesus, dem Haupt, durch die Klasse eines "treuen und verständigen Sklaven" versorgt und geleitet. Heute besteht diese Klasse aus einem Überrest der 144000 gesalbten Erben des himmlischen Königreiches Christi. [1] Doch lediglich eine kleine Anzahl Männer aus dieser Gruppe übt die gesamte Leitung über die weltweite Gemeinde aus, und das nicht nur über die knapp 9000 "Gesalbten", aus deren Kreis sie stammen, sondern auch die mehr als fünf Millionen anderer Mitverbundener, die nicht zu den himmlischen Erben gezählt werden. [2]

Gepflogenheit innerhalb eines Entscheiduns-Kollektiv, wo einer stets die „Wahrheit“ besitzt

Als ich 1971 in den Kreis der (mit mir) elf Personen umfassenden leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas in der ganzen Welt aufgenommen wurde, erschien mir das eine ungeheure Verantwortung. (Bis 1977 stieg die Zahl auf 18 an; Anfang 1996 lag sie bei 10.) [3] Die ersten der wöchentlichen Sitzungen, an denen ich teilnahm, entsprachen jedoch ganz und gar nicht meinen Erwartungen. [4]

Kurz zuvor war im Amt des Vorsitzenden ein turnusmäßiger Wechsel eingeführt worden, und in jenem Jahr war Vizepräsident Fred Franz der Vorsitzende. Was aber auf die Tagesordnung kam, das entschied der [45] Präsident der Gesellschaft, Nathan Knorr. Alle Angelegenheiten, deren Beratung er für geeignet erachtete, brachte er zur Sitzung mit, und das war gewöhnlich das erste Mal, dass wir von dem Diskussionsgegenstand überhaupt erst erfuhren.

Manchmal erschöpfte sich die ganze Sitzung einfach in der Besprechung einer Liste von Empfehlungen für die Ernennung reisender Beauftragter in verschiedenen Ländern, wobei Name, Alter, Taufdatum, ob "Gesalbter" oder nicht, und die Zahl der Dienstjahre verlesen wurden. Für uns waren das fast immer bloße Namen; höchst selten kannten wir einmal jemand, um den es ging. Nachdem uns solche Listen von Surinam oder Sambia oder Sri Lanka vorgelesen worden waren, haben wir jeweils über die Ernennung dieser Männer abgestimmt. Ich entsinne mich noch an Thomas Sullivan (allgemein "Bud" genannt), der damals über achtzig war, fast nichts mehr sah und eine sehr angegriffene Gesundheit hatte. Er schlief bei solchen Sitzungen immer wieder ein, und es mochte ihn dann auch keiner aufwecken, um ihn über etwas mit abstimmen zu lassen, das er kaum mit angehört hatte. Die ganze Sitzung war manchmal schon nach wenigen Minuten vorbei. Eine hat nur sieben Minuten gedauert, inklusive dem Gebet zu Beginn.

Die oberste Leitung der Pharisäer und ihr zerstörerisches Regelwerk

Behandlung von „Problempost“ durch die leitende Körperschaft

Darüber hinaus brachte Präsident Knorr ab und an auch “Problempost“ mit, Anfragen zu bestimmten Handlungsweisen einzelner Zeugen Jehovas, wobei das Gremium entscheiden sollte, wie in jedem Fall zu verfahren sei, ob die Handlungsweise einen Gemeinschaftsentzug erforderte oder weniger streng geahndet werden sollte, oder ob überhaupt nichts zu unternehmen sei.

In jener Zeit (und noch bis 1975) wurde bei allen Entscheidungen Einstimmigkeit erwartet. Gewöhnlich stellte nach einer Diskussion jemand einen Antrag, ein zweiter befürwortete ihn, und dann bat der Vorsitzende um das Handzeichen. Kam eine einstimmige Entscheidung nicht zustande, weil dieser oder jener einem Antrag nicht zustimmen konnte, so wurde im allgemeinen ein Kompromiss gesucht, dem alle zustimmen konnten. Die natürliche Folge davon war, dass man unter einem gewissen Druck stand, mit der Mehrheit zu stimmen, statt als einzelner eine andere Meinung zu vertreten und so den Eindruck zu erwecken, man stehe außerhalb und zerstöre die Harmonie.

Es gab Abstimmungen, bei denen ich nicht die Hand hob, doch in der Regel schloss ich mich den anderen an. Die wenigen Male, bei denen jemand einen Kompromiss vorschlug, weil ich nicht mit abgestimmt hatte, habe ich gewöhnlich eingelenkt und mich der Mehrheit angeschlossen, auch wenn der Kompromissvorschlag nicht vollständig akzeptabel für mich war. Man bekam das Gefühl, man müsse einlenken, um eine zügige Entscheidung nicht zu blockieren. Doch dann tauchten Fragen auf, bei denen mir dies immer schwerer fiel.

Entscheidungsfinden über das Gewissen des Einzelnen hinweg: Pharisäischer Dschungel von kleinlichen Regeln

Die Diskussionen in den Sitzungen drehten sich beispielsweise um die Frage, ob ein Vater für das Ältestenamt qualifiziert ist, wenn er seinem Sohn oder seiner Tochter mit nur achtzehn Jahren zu heiraten erlaubt; ob jemand Ältester sein darf, der es zulässt, dass sein Sohn oder seine Tochter eine [46] Hochschule besucht; [5] ob jemand Ältester werden kann, der im Schichtdienst arbeitet und manchmal (wenn er gerade Nachtschicht hat) die Zusammenkünfte versäumt; ob sich Älteste mit Indizienbeweisen für Ehebruch zufriedengeben dürfen oder mit der Aussage einer Frau, ihr Mann habe ihr den Ehebruch gestanden, und ob dann vom biblischen Standpunkt aus eine Scheidung und Wiederheirat zulässig sei; ob eine Scheidung biblisch rechtskräftig ist, wenn im Falle eines Ehebruchs der Schuldige und nicht der Unschuldige die Scheidung eingereicht hat; [6] inwieweit eine Scheidung wirksam sein kann, die aus anderen Gründen als Ehebruch ausgesprochen wurde, bei der aber hinterher Beweise für einen Ehebruch vor der Scheidung auftauchen; wie die Sache zu sehen ist, wenn eine Scheidung aus solchen Gründen ausgesprochen wird und es hinterher zu Ehebruch kommt; ob ein unschuldiger Ehepartner, der mit seinem ehebrecherischen Partner Geschlechtsverkehr hat (nachdem er von dessen Untreue erfuhr), deswegen kein Recht mehr hat, sich von seinem Partner scheiden zu lassen und jemand anders zu heiraten; ob ein Zeuge eine Geldstrafe zahlen soll, die ihm auferlegt wurde, weil er in Ausübung seiner Zeugnistätigkeit oder wegen des Eintretens für einen anderen Glaubenssatz ein Gesetz übertreten hat; [7] ob man Bedürftigen durch das Rote Kreuz Lebensmittel oder andere Hilfsgüter zukommen lassen dürfe (hierbei ging es vor allem darum, dass das Kreuz ein religiöses Symbol ist und das Rote Kreuz daher sozusagen als eine Art Religionsorganisation angesehen werden könne; die Diskussionen hierüber dauerten recht lange und mussten auf eine andere Sitzung vertagt werden); ob es richtig ist, wenn die Gesellschaft weiterhin Gelder für bestimmte Länder (beispielsweise Indonesien) auf nicht offiziellem Weg transferiert, um mehr aus dem Dollar herauszuschlagen, selbst wenn dies gegen Gesetze des betreffenden Landes verstößt; ob man Ausrüstungsgüter in bestimmte Länder auf eine Weise schaffen sollte, dass dabei die Entrichtung hoher Zölle umgangen wird; ob Zeugen, die in der Gewerkschaft sind, Streikposten sein dürfen oder statt dessen in der Gewerkschaftsgeschäftsstelle reinemachen können; ob Zeugen einer Einberufung zum Militär Folge leisten können, durch die sie lediglich zur Arbeit auf Baumwollfeldern herangezogen werden sollen (wie in Bolivien geschehen).

Entscheidungen auf höchster Ebene mit einschneidenden Konsequenzen für die Betroffenen

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus den Themen, die in den ersten zwei Jahren meiner Tätigkeit in dem Gremium zur Sprache kamen. Unsere Entscheidungen hatten für die Betroffenen beträchtliche Konsequenzen. In Scheidungsfragen beispielsweise haben die Ältesten der Versammlung die Funktion eines Kirchengerichts, und wenn sie von der Gültigkeit einer [47] gesetzlichen Scheidung nicht überzeugt sind, dann wird derjenige, der nach einer Scheidung wieder heiratet, aus der Gemeinschaft ausgeschlossen.

Neben den bereits erwähnten Themen gab es noch eines, das großen Wirbel hervorrief. Es ging um ein Ehepaar aus Kalifornien, beide Zeugen Jehovas, bei denen jemand im Schlafzimmer Schriften und Bilder mit Darstellungen ungewöhnlicher Sexualpraktiken gesehen hatte. (Ich kann mich nicht erinnern, dass wir erfahren hätten, wie derjenige, der davon berichtete, eigentlich Zugang zu dem Schlafzimmer erlangt hatte.) Ermittlungen der Ältesten am Ort ergaben, dass das Ehepaar beim Geschlechtsverkehr tatsächlich auch andere Praktiken als den einfachen Genitalkontakt pflegte. [8] Die Ältesten schrieben nach Brooklyn, und die leitende Körperschaft sollte nun beschließen, ob gegen das Ehepaar etwas unternommen werden sollte, und wenn ja, was.

Keiner von uns, die wir an dem Vormittag diese Anfrage vom Präsidenten vorgelesen bekamen, hatte sich mit dieser Frage vorher beschäftigen können. Und doch wurde nach nur wenigen Stunden die Entscheidung gefällt, dass dem Ehepaar die Gemeinschaft zu entziehen sei. Später wurde das als offizielle Lehrmeinung veröffentlicht und galt für alle Personen, die sich vorsätzlich ähnlicher Praktiken bedienten. [9]

Zensur der Sexualität des einzelnen Christen und das Erziehen hin zum Denunzianten

Die Veröffentlichung wurde so verstanden und angewendet, dass Ehegatten sich gewöhnlich verpflichtet fühlten, den Ältesten Mitteilung zu machen, wenn derartige Praktiken in ihrer Ehe gepflegt wurden, ganz gleich ob im gegenseitigen Einverständnis oder auf Initiative nur eines Partners hin. (Im letztgenannten Fall wurde von dem Partner, der nicht die Initiative ergriffen hatte, erwartet, dass er sich von allein bei den Ältesten meldete, sofern der Partner, der dies verlangt hatte, dazu nicht bereit war.)

Sich nicht von allein zu offenbaren gilt gemeinhin als Indiz für eine reuelose Haltung und wird als Anzeichen für die Notwendigkeit eines Gemeinschaftsentzugs angesehen. Dabei übt der Glaube, dass man durch den Gemeinschaftsentzug von der einzigen Organisation abgeschnitten wird, bei der Errettung zu finden ist, obendrein noch von allen Freunden und Verwandten, einen so großen Druck aus, dass sich die Betreffenden fügen, wenn das Geständnis (oder die Mitteilung) gegenüber den Ältesten auch noch so schwer fällt.

Die Entscheidung der leitenden Körperschaft aus dem Jahre 1972 führte zu einer stattlichen Anzahl von "Komiteeverhandlungen", in denen die Ältesten solchen Mitteilungen oder Geständnissen über Sexualpraktiken nachgingen. Frauen waren in solchen Anhörungen auf das Peinlichste betroffen, wenn sie Fragen der Ältesten über die intimsten Ehegeheimnisse zu beantworten hatten. Viele Ehen, in denen einer der Partner kein Zeuge war, [48] machten eine stürmische Zeit durch, da der Partner, der dem Glauben nicht angehörte, sich vehement wehrte gegen die seiner oder ihrer Ansicht nach unrechtmäßige Einmischung in private Eheangelegenheiten. Einige Ehen zerbrachen daran und wurden geschieden. [10]

Das Intimleben von Jehovas Zeugen unter dem Seziermesser

In den folgenden fünf Jahren ging eine noch nie dagewesene Flut von Briefen ein. In den meisten wurde Zweifel daran geäußert, dass es überhaupt eine biblische Grundlage für die Mitglieder der leitenden Körperschaft gab, sich derartig in das Privatleben anderer einzumischen, und es klang durch, dass man die Stichhaltigkeit der offiziellen Begründung hierfür nicht einsehen könne. (Diese stützte sich vor allem auf Römer, Kapitel, Verse 24 - 27, wo von Homosexualität die Rede ist, und nach Ansicht der Briefeschreiber sei nicht erkennbar, wie eine Anwendung des Textes auf heterosexuelle Beziehungen bei einem Ehepaar zu rechtfertigen sei.) Andere Briefe, oft solche von Ehefrauen, zeugten einfach von einer großen Verwirrung und einer Qual wegen der Unsicherheit darüber, ob das vom Briefschreiber praktizierte Vorspiel nun zulässig sei.

Eine Frau teilte mit, sie habe mit einem Ältesten gesprochen, und er habe ihr gesagt, sie solle an die leitende Körperschaft schreiben, "um ganz sicher zu gehen". So schrieb sie den Brief, erklärte, ihr Mann und sie liebten sich innig, beschrieb dann eine bestimmte Art von Vorspiel, an die sie sich beide gewöhnt hätten, und fügte hinzu: "Meiner Meinung nach ist das eine Sache des Gewissens, doch ich schreibe an Euch, um ganz sicher zu gehen." Sie schloß mit den Worten:

"Ich habe schreckliche Angst, und ich fühle mich so verletzt, und diesmal habe ich vor allem die Sorge, wie (mein Mann) über die Wahrheit denken wird ... Ich weiß, dass ihr mir sagen werdet, was ich tun soll."

In einem anderen typischen Brief schreibt ein Ältester, er habe ein Problem, das ihn sehr bewege, und dafür sei es seiner Ansicht nach das Beste, "sich an die ,Mutter' um Rat zu wenden". [11] Das Problem bezog sich auf sein eheliches Sexualleben. Seine Frau und er seien sich im unklaren darüber, "wie weit man beim Vorspiel zum Geschlechtsakt genau gehen kann". Er versicherte der Gesellschaft: "Meine Frau und ich werden jeden Rat, den Ihr uns gebt, genauestens befolgen."

Diese Briefe zeigen, welch absolutes Vertrauen diese Menschen in die leitende Körperschaft zu setzen gelernt hatten, Sie glaubten, die Männer in diesem Gremium könnten ihnen sagen, "wie weit man gehen kann", selbst [49] in solch intimen Bereichen ihres Privatlebens, und meinten, sie müssten das dann "genauestens befolgen".

Detaillierte Betriebsanweisungen zum
Vor- und Nachspiel im Bett

Die Gesellschaft verschickte viele Antwortbriefe zu diesem Thema. Man bemühte sich darin oft um eine begrenzte Klarstellung (wobei man Dinge sagte, ohne sie direkt beim Namen zu nennen), welches sexuelle Vorspiel zu den verurteilten Handlungen gehörte, so dass andere Varianten dadurch ausgenommen wurden.

In einem Bürovermerk eines Mitarbeiters der Dienstabteilung der Gesellschaft vom Juni 1976 wird über ein Telefongespräch mit einem Unterweiser der Schulungskurse für Älteste berichtet. Diesem internen Vermerk zufolge rief der Dozent wegen eines Ältesten in einem seiner Seminare an, der sich zu bestimmten missbilligten sexuellen Praktiken in seiner Ehe bekannt hatte. Wörtlich heißt es:

"Bruder (es folgt der Name des Dozenten) besprach die Angelegenheit eingehend mit ihm, um herauszufinden, ob es sich wirklich um orale Kopulation handelte. ... (Der Dozent) teilte ihm mit, in Anbetracht der Umstände solle er mit den anderen im Komitee sprechen. Zufällig waren die beiden anderen Mitglieder des Komitees im selben Kurs, und so ging er zu ihnen und sprach mit ihnen. (Der Dozent) weiß nun nicht, wie es weitergehen soll. ... Ihm wurde vorgeschlagen, er solle den Fall der Gesellschaft ausführlich schildern, damit er in Zukunft genau weiß, was er zu tun hat, und nicht anzurufen braucht."

Hieran wird deutlich, wie weit in den Intimbereich die Befragungen gingen und wie fest die Zentrale die Fäden in der Hand hielt.

Das eingeimpfte Pflichtgefühl,
dass jeder jeden kontrollieren soll 

Das künstlich erzeugte Pflichtgefühl, die Ältesten
über jedes Detail zu informieren 

Immer wieder lassen die Briefe erkennen, dass die Betroffenen sich wirklich Gott gegenüber verpflichtet fühlten, den Ältesten über jede Abweichung von der Vorschrift der leitenden Körperschaft Mitteilung zu machen. Einem Mann in einem Staat des Mittelwestens, der sich dazu bekannt hatte, gegen eine Entscheidung der leitenden Körperschaft über seine ehelichen Beziehungen verstoßen zu haben, sagten die Ältesten, sie würden deswegen an die Gesellschaft schreiben. Er schrieb selbst noch einen Brief dazu. Acht Wochen vergingen, und schließlich schrieb er noch einmal nach Brooklyn:

"Das Warten, die Angst und die Spannung sind fast mehr, als ich ertragen kann." Er schrieb, man habe ihn aller Aufgaben in der Versammlung enthoben, er dürfe auch nicht mehr bei den Zusammenkünften beten, und weiter: "Mit fast jeder Woche verliere ich etwas, worum ich 30 Jahre lang gebetet und wofür ich mich abgemüht habe." Er bat um eine baldige Antwort:

"Ich muß von der drückenden Last befreit werden, nicht zu wissen, wie ich vor Jehovas Organisation stehe."

Manche Ältesten bemühten sich, die Sache etwas weniger forsch anzugehen. Dann konnte es ihnen aber passieren, dass sie dafür von der Zentrale in Brooklyn gerügt wurden. Hier ein Beispiel: [50] 

"4. August 1976

An die Ältestenschaft
der Versammlung Mxxxxxxxxxx
Wxxxxxxx, Mxxxxxxxxxx

Liebe Brüder!

Wir halten einen Brief des Komitees der Versammlung Sxxxxxxx in Händen, in dem von Jxxxxxxxxx die Rede ist.

Lasst uns bitte wissen, ob Älteste Eurer Versammlung unrichtigen Rat in Fragen des oralen Geschlechtsverkehrs erteilt haben. Sollten Älteste gegenüber Verheirateten gesagt haben, es sei nicht verkehrt, wenn sie Oralverkehr hätten, so fragen wir, auf welcher Grundlage dieser Rat gegeben wurde. Falls verkehrter Rat erteilt worden ist, so teilt uns bitte mit, ob geeignete Schritte unternommen worden sind, den falschen Eindruck bei den Empfängern des Rats zu korrigieren. Lasst uns auch wissen, ob die beteiligten Ältesten inzwischen mit den von der Gesellschaft in den Veröffentlichungen wiedergegebenen Äußerungen über oralen Geschlechtsverkehr übereinstimmen.

Wenn jemand von Euch Ältesten anderen Personen gesagt hat, oraler Geschlechtsverkehr sei als Vorspiel zum eigentlichen Geschlechtsverkehr erlaubt, dann war dieser Rat unrichtig.

Wir danken für die Aufmerksamkeit, die Ihr der obigen Angelegenheit widmet. Möge Jehovas Segen mit Euch sein, während Ihr Euch bemüht, Eurer Verantwortung als Älteste stets in vorbildlicher Weise nachzukommen.

Eure Brüder

Kopie an:

Rechtskomitee der
Versammlung Sxxxxxxxxx
der Zeugen Jehovas, Kalifornien"

 

 

 

Der vorstehende Brief ist die Übersetzung einer Fotokopie des Originals, das die Dienstabteilung der Gesellschaft an eine Ältestenschaft verschickt hat (Namen und Ortsangaben wurden unkenntlich gemacht). [12] [51]

Interessanterweise waren einige Älteste sogar der Ansicht, die Haltung der leitenden Körperschaft sei viel zu lasch und gehe noch nicht weit genug. In einem Brief von einem Ältesten aus den USA heißt es:

"Einige der älteren Brüder waren der Ansicht, die leitende Körperschaft hätte noch weiter gehen sollen in ihrer Verurteilung widernatürlicher Praktiken unter Eheleuten und auch bestimmte Stellungen beim Geschlechtsakt verbieten sollen ... "

Weiter unten sagt der Älteste, wie er selbst darüber denkt:

"Da Jehova in diesem (18.) Kapitel von 3. Mose wie auch in den anderen Kapiteln über Fragen der Sexualität so sehr ins Detail geht, weshalb wird den Eheleuten dann nichts über annehmbare und nicht annehmbare Stellungen bei der geschlechtlichen Vereinigung gesagt? Wenn Jehova gewollt hätte, dass dieser eheliche Privatbereich den Nachforschungen oder Ansichten der Richter oder der älteren Männer offenstehen sollte, hätte er das dann nicht getan, damit geeignete Maßnahmen gegen Übertreter ergriffen werden konnten?"

Ein Regelwerk, das das Leben von Menschen auf tiefster Ebene des Liebeslebens beeinflusst

Von der Richtlinie der Gesellschaft mit betroffen waren unter anderem auch Menschen, deren normale Sexualfunktionen durch eine Operation oder einen Unfall stark beeinträchtigt waren. Manche gaben ihrem Kummer darüber Ausdruck, dass sie nun durch die Entscheidung der leitenden Körperschaft in eine so missliche Lage gebracht wurden.

Ein Mann, der auf solche Weise impotent geworden war, hatte in den darauf folgenden Jahren durch die Anwendung eines jetzt von der Organisation verurteilten Mittels noch einen Anteil am Sexualleben nehmen können. Er sagte, vor der Entscheidung der leitenden Körperschaft habe er sich wenigstens noch halbwegs als Mann fühlen können, weil er seiner Frau immer noch Freude bereiten konnte. Er könne, so schrieb er, nicht erkennen, wo die biblische Grundlage für die im Wachtturm vertretene Position zu finden sei, seine Frau fühle sich aber daran gebunden, und er habe nachgegeben, weil er sie liebe. Zwar wisse er, dass er noch immer derselbe Mensch sei, doch seelisch gehe er vor die Hunde, da er ernsten Schaden für seine Ehe befürchte. Flehentlich bat er, man möge ihm mitteilen, ob es nicht in Gottes Willen ein "Schlupfloch" gebe, das ihm ermögliche, seiner Frau Freude zu bereiten.

Das Gewissen von Ältesten unter Zerreißprobe

In solcher und ähnlicher Sachlage wurde das Gewissen der Ältesten, die gegen Übertreter dieser Richtlinie der leitenden Körperschaft vorgehen mussten, schwer belastet. Der oben bereits erwähnte Älteste schreibt am Schluß seines Briefes folgendes:

"Ich kann biblische Gesetze und Grundsätze nur in dem Maße anwenden, in dem ich auch dahinterstehen und sie als Vertreter Jehovas und Christi Jesu ehrlich akzeptieren kann. Und wenn ich diese Gesetze und Grundsätze als Ältester in der Versammlung auszuführen habe, dann will ich das nicht deswegen tun, weil ich nun mal glaube, dass dies die Organisation Jehovas ist und ich ihr folge, ganz gleich, was sie von mir verlangt, sondern ich tue es, weil ich wirklich glaube, dass das völlig mit der Bibel übereinstimmt. Für mich soll auch in Zukunft gelten, wozu der Apostel Paulus in 1. Thessalonicher, Kapitel 2, Vers 13, ermahnt, nämlich das Wort Gottes anzunehmen, nicht als Menschenwort, sondern als das, was es wahrhaftig ist, als das Wort Gottes."  [52]

Wenn ich die erwähnten Sexualpraktiken persönlich auch ganz und gar nicht befürworte, so kann ich doch ehrlich sagen, dass ich den Gemeinschaftsentzugsbeschluss, den das Gremium fasste, nicht befürwortete. Mehr aber auch nicht. Denn bei der Abstimmung habe ich mich der Mehrheit gefügt. Es war mir gar nicht recht, als ich den Auftrag bekam, die Texte zur Begründung der Entscheidung auszuarbeiten, doch ich nahm an und schrieb das, was gewünscht wurde, ganz gemäß der Linie des Beschlusses. Ich kann also von mir nicht sagen, ich hätte im Sinne der von dem Ältesten gerade beschriebenen vorbildlichen Einstellung gehandelt. Ich glaubte, die Organisation sei das einzige Instrument, dessen sich Gott auf Erden bedient, und so tat ich dies damals ohne sonderliche Gewissensqualen.

Der  unheilige „heilige Geist“, der sich in unheiliger Form irrt und willkürlich korrigiert 

Frühere Entscheidungen werden umgestoßen:
Wo war da der „heilige Geist“?

Die umfangreiche Korrespondenz zu diesem Thema hat die leitende Körperschaft fast überhaupt nicht erreicht, da sie von Mitarbeitern der Korrespondenzabteilung erledigt wurde oder von der Dienstabteilung. Ich bin aber sicher, dass Mitglieder der leitenden Körperschaft (wahrscheinlich durch private Kontakte und Gespräche) darauf aufmerksam gemacht wurden, sie hätten sich nach allgemeiner Ansicht unangemessen in das Privatleben anderer eingemischt. Als nach über fünf Jahren das Thema schließlich wieder auf der Tagesordnung stand, wurde die alte Entscheidung umgestoßen, und die leitende Körperschaft zog sich aus diesem Intimbereich des Lebens anderer Leute wieder zurück.

Wiederum erhielt ich den Auftrag, etwas schriftlich auszuarbeiten, diesmal um die Änderung bekanntzugeben. Es bedeutete für mich eine gewisse persönliche Befriedigung, zugeben zu können – wenn auch mehr durch die Blume –, dass die Organisation sich geirrt hatte.

Der Text erschien im Wachtturm vom 15. Mai 1978, Seiten 30, 31, wo es unter anderem hieß:

"Nach sorgfältiger weiterer Erwägung dieser Frage gelangen wir jedoch aufgrund des Fehlens deutlicher biblischer Anweisungen zu der Überzeugung, dass es sich dabei um etwas handelt, wofür ein Ehepaar selbst die Verantwortung vor Gott übernehmen muss, und dass es nicht die Aufgabe der Versammlungsältesten ist, das Verhalten in solchen ehelichen Intimbeziehungen zu bestimmen oder jemandem lediglich aufgrund derartiger Handlungen die Gemeinschaft zu entziehen. Damit soll nicht gesagt werden, dass die verschiedenen heute gepflegten sexuellen Handlungen gutgeheißen würden, denn so sind diese Ausführungen keineswegs gedacht. Durch sie kommt lediglich das Bewusstsein für die Verpflichtung zum Ausdruck, die Bibel entscheiden zu lassen und keinen dogmatischen Standpunkt in Fällen einzunehmen, in denen es mangels biblischer Beweise keine ausreichende Grundlage dafür gibt."

Genau so dachte ich eigentlich in bezug auf äußerst viele Fragen, mit denen man uns konfrontierte, dass es nämlich bei den meisten Dingen, über die wir entschieden, keine biblische Grundlage für dogmatische Festlegungen gab. Das habe ich aus diesem Anlass auch gesagt, und für den vorliegenden Fall [53] stimmte man mir zu. Später habe ich diese Meinung immer wieder vertreten, aber wenig Widerhall gefunden.

Wenn ich die mir vorliegenden Briefe anschaue, von denen ich einige wiedergeben habe, so erscheint mir die Genugtuung, die ich beim Abfassen der Berichtigung empfunden haben mag, ziemlich hohl. Ich bin mir vielmehr im klaren darüber, dass es auch durch noch so viele Worte nicht möglich ist, den angerichteten Schaden wiedergutzumachen, all die Peinlichkeiten, die Verunsicherungen und seelischen Leiden, die quälenden Schuldgefühle und die zerrütteten Ehen, zu denen es als Folge der ersten Entscheidung kam, einer Entscheidung, die innerhalb weniger Stunden von Männern gefällt wurden, die ganz kalt an die Sache herangingen, ohne zuvor darüber in Kenntnis gesetzt worden zu sein und nachgedacht zu haben, ohne gesondert darüber zu beten oder die Schrift zu erforschen. Und doch hatte ihre Entscheidung fünf Jahre lang weltweit Gesetzeskraft und brachte vielen Menschen Folgen, an denen sie ein Leben lang zu tragen haben. All das wäre nicht nötig gewesen.

Ist außerehelicher Analverkehr mit Ehebruch identisch?

Ein anderes Problem, das aufkam, war ähnlicher Art wie das eben behandelte. Es betraf eine Zeugin Jehovas in Südamerika, deren Ehemann zugegeben hatte, mit einer anderen Frau sexuelle Beziehungen gehabt zu haben. Die Schwierigkeit lag darin, dass er angab, die Beziehungen seien von der Art wie im zuvor beschriebenen Fall, nur dass es sich diesmal um analen statt genitalen Verkehr handelte.

Die Entscheidung der leitenden Körperschaft lautete, der Tatbestand des Ehebruchs sei nicht erfüllt. Für Ehebruch sei in jedem Fall genitale Kopulation erforderlich, bei der eine Zeugung von Kindern möglich sei. Darum sei der Mann nicht "ein Fleisch" mit der anderen Frau geworden, und – so der Beschluss – die Ehefrau habe keinen biblischen Grund für eine Scheidung und zukünftige neue Eheschließung.

Nach der damals geltenden Norm mussten Entscheidungen einstimmig gefallt werden, und so fügte ich mich. Ich fühlte mich aber zutiefst beunruhigt, wenn ich an die Frau dachte, der jetzt mitgeteilt wurde, sie habe nach der Bibel kein Recht, sich in einer derartigen Situation von ihrem Mann loszusagen. Zugleich folgte aus der Entscheidung, dass man sich nach der Bibel von einem Ehemann, der sich homosexueller Handlungen oder sogar geschlechtlicher Beziehungen zu einem Tier schuldig machte, nicht scheiden lassen dürfte, da ein Mann nicht mit einem anderen Mann oder mit einem Tier in dem Sinne "ein Fleisch" werden kann, dass dadurch Nachkommen gezeugt werden. Das war zu Anfang jenes Jahres sogar ausdrücklich so im Wachtturm gesagt worden. [13]

Den kleinen Unterschied zwischen „Ehebruch“ und „Hurerei“ gilt es zu beachten!

Aus meiner tiefen Beunruhigung heraus machte ich mich an eine genauere Analyse der im griechischen Originaltext von Matthäus, Kapitel 19, Vers 9, gebrauchten Wörter. In der Neuen-Welt-Übersetzung der Gesellschaft werden Jesu Worte an dieser Stelle wie folgt wiedergegeben: [54]

"Ich sage euch, dass wer immer sich von seiner Frau scheiden läßt, ausgenommen aufgrund von Hurerei, und eine andere heiratet, Ehebruch begeht."

Zwei verschiedene Begriffe werden verwendet, "Hurerei" und "Ehebruch". In den Wachtturm-Veröffentlichungen hatte es aber seit Jahrzehnten geheißen, sie bezögen sich im wesentlichen alle beide auf dasselbe; unter Hurerei sei zu verstehen, dass ein Mann mit einer anderen als seiner Ehefrau ehebrecherische Beziehungen hat (beziehungsweise eine Frau mit einem Mann, der nicht ihr Ehemann ist). Warum, so fragte ich mich, gebrauchte Matthaus zwei verschiedene Wörter (porneia und moikheia), um den Ausspruch Jesu wiederzugeben, wenn doch in beiden Fällen dasselbe gemeint ist, nämlich Ehebruch?

Ein Durchforsten der vielen Übersetzungen, Bibelwörterbücher, Kommentare und Lexika in der Bethel-Bibliothek förderte den Grund bald zutage. In praktisch jedem Buch, das ich aufschlug, stand, dass der griechische Begriff porneia (der in der Neuen-Welt-Übersetzung mit "Hurerei" wiedergegeben wurde) sehr weit gefasst war und ALLE Arten sexueller Unmoral umfasste, weshalb er in vielen Bibelübersetzungen einfach mit "Unmoral", "sexuelle Unmoral", "Unkeuschheit" oder "Unzucht" übersetzt wird. [14] Aus den Lexika ging klar hervor, dass der Ausdruck auch auf homosexuelle Beziehungen Anwendung fand. Schlüssig wurde das ganze für mich aber erst, als ich herausfand, dass in der Bibel selbst porneia in Judas, Vers 7, gebraucht wird, um damit die berüchtigten homosexuellen Handlungen der Leute von Sodom und Gomorrha zu bezeichnen.

Ich legte die Ergebnisse meiner Nachforschungsarbeit in einem 14seitigen Schriftsatz nieder und machte davon für jeden in der leitenden Körperschaft eine Kopie. Ich wusste allerdings nicht, wie das aufgenommen werden würde. So ging ich zu Fred Franz ins Büro, sagte ihm, was ich getan hatte, und sprach von meinen Bedenken wegen der Reaktion der anderen. Seine Antwort: "Ich glaube nicht, dass es da Schwierigkeiten geben wird."

Diese Antwort war nur kurz, doch sie war sehr zuversichtlich gesprochen worden. Als ich fragte, ob er lesen wolle, was ich herausgefunden hatte, lehnte er ab und sagte noch einmal, seiner Meinung nach werde es "keine Probleme" geben. Ich hatte den Eindruck, dass er über einige Punkte bereits im Bilde war, doch wie lange schon, das konnte ich nicht erfahren. Da die Neue-Welt-Übersetzung der Gesellschaft hauptsächlich sein Werk war, dachte ich, er müsse zumindest einen Hinweis auf die wahre Bedeutung des Wortes porneia ("Hurerei") erhalten haben. [15] [55]

Als in der Sitzung der leitenden Körperschaft die Sprache auf dieses Thema kam, wurde das von mir vorgelegte Material akzeptiert, nachdem Fred Franz seine Zustimmung gegeben hatte, und ich sollte Artikel für den Wachtturm schreiben, in denen die neue Sachlage dargestellt wurde. [16]

Veränderung der Grundsätze, aber der angerichtete Schaden bleibt! Wer zeichnet verantwortlich?

Ich entsinne mich noch, dass einige Zeit nach Veröffentlichung dieser Artikel ein Brief von einer Zeugin eintraf, die einige Jahre zuvor herausgefunden hatte, dass ihr Mann mit einem Tier geschlechtlich verkehrte. "Mit so einem Mann konnte ich nicht zusammenleben", sagte sie und ließ sich scheiden. Später verheiratete sie sich wieder. Daraufhin wurde sie dafür aus der Versammlung ausgeschlossen, da sie "nicht biblisch frei war". Nachdem die Wachtturm-Artikel herausgekommen waren, schrieb sie und bat darum, dass in Anbetracht der jetzt veränderten Grundsätze etwas unternommen werde, sie von der Schmach zu befreien, die wegen des Gemeinschaftsentzugs auf ihrem Namen lastete. Ich konnte ihr nur antworten, dass die Artikel für sich allein ihre Handlungsweise bereits rechtfertigten. Obwohl es wiederum eine Genugtuung war, die Artikel zu schreiben, in denen die irrige Ansicht der Organisation zugegeben und berichtigt wurde, blieb doch die ernüchternde Erkenntnis zurück, dass damit der Schaden niemals wiedergutgemacht werden konnte, den die vorherige Lehrmeinung über Jahrzehnte hinweg bei zahllosen Menschen angerichtet hatte, nur Gott weiß bei wie vielen.

Leitende Körperschaft: Höchster Gerichtshof,
höchste Verantwortlichkeit!

Die leitende Körperschaft war damals gleichzeitig Gerichtshof und gesetzgebende Körperschaft, denn ihre Entscheidungen und Maßgaben hatten für alle Zeugen Jehovas bindende Gesetzeskraft. Sie war in dem Sinn eine „Leitende Körperschaft", in dem man auch den Sanhedrin in biblischen Zeiten als solche bezeichnen konnte, da er ähnliche Funktionen ausfüllte. Ebenso wie damals alle auftauchenden Fragen, die Gottes Namenvolk betrafen, dem Sanhedrin in Jerusalem zur Klärung vorgelegt wurden, so auch heute der leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas in Brooklyn. Sie übte aber, entgegen ihrem Namen, keinerlei Leitungsfunktionen aus. Entscheidungsbefugnis und administrative Verantwortung lagen allein beim Präsidenten der Gesellschaft, Nathan H. Knorr.

Das hatte ich nicht erwartet, denn im Jahr meiner Ernennung hatte Vizepräsident Franz eine Rede gehalten, die später im Wachtturm vom 1. April 1972 abgedruckt wurde, in der er die Rolle der leitenden Körperschaft beschrieb. Darin hatte er den Gegensatz zwischen ihr und der Gesellschaft, der Watch Tower Bible andTract Society, hervorgehoben. Manche nannten dies die Ansprache vom "Schwanz, der mit dem Hund wedelt", wegen einer darin gebrauchten ungewöhnlich offenen und freimütigen Formulierung. Immer wieder betonte er, die Gesellschaft sei lediglich ein "Verwaltungsorgan", dessen sich die leitende Körperschaft bediene, damit es ihr "vorübergehend nützliche Dienste leisten" solle (Seiten 210, 215 und 216): [56]

"Diese weltumspannende Evangelisierungsorganisation richtet sich nicht nach einer heute bestehenden, gesetzlich eingetragenen Körperschaft, die den gesetzlichen Bestimmungen einer der von Menschen geschaffenen Regierungen entsprechen mag, denen nun die Vernichtung im „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen", in Har-Magedon, bevorsteht. (Offb. 16: 14-16) Keine gesetzlich eingetragene Körperschaft der Welt steuert oder leitet diese Evangelisierungsorganisation. Im Gegenteil, sie leitet solche Körperschaften, die in diesem Werk des großen Theokraten vorübergehend nützliche Dienste leisten.

Sie ist deshalb dem von Gott bestimmten Zweck entsprechend aufgebaut. Sie ist eine theokratische Organisation, die von oben, von Gott, nach unten, nicht von unten, von Menschen, nach oben regiert wird. Ihre Gott hingegebenen, getauften Glieder unterstehen einer Theokratie! Die irdischen, gesetzlich eingetragenen Körperschaften werden zu bestehen aufhören, wenn die von Menschen geschaffenen Regierungen, die sie zugelassen haben, nun bald untergehen werden. 

Die stimmberechtigten Mitglieder der Gesellschaft sorgen also dafür, dass die leitende Körperschaft möglichst eng mit diesem Verwaltungsorgan zusammenarbeiten und es sich im Interesse des Werkes der Klasse des „treuen und verständigen Sklaven" zunutze machen kann, indem sie Glieder der leitenden Körperschaft in den Vorstand der Gesellschaft wählen. Sie erkennen an, dass die Gesellschaft nicht die verwaltende Körperschaft ist, sondern dass sie lediglich das ausführende Organ ist. 

Die stimmberechtigten Mitglieder der Gesellschaft möchten also nicht die Voraussetzungen für einen Konflikt oder Zwiespalt schaffen. Sie möchten es nicht so weit kommen lassen, dass die leitende Körperschaft, die die Klasse des „treuen und verständigen Sklaven" vertritt, von dem „Verwaltungsorgan", dessen sie sich bedient, beaufsichtigt und geleitet wird. Schließlich wedelt der Schwanz nicht mit dem Hund, sondern der Hund wedelt mit dem Schwanz. Ein den Bestimmungen des Cäsars entsprechendes religiöses Rechtsinstrument sollte nicht versuchen, seinen Urheber zu beaufsichtigen und zu leiten, sondern es sollte von seinem Urheber geleitet und beaufsichtigt werden." [57]

Starke Worte waren das. Das Problem war nur, dass diese Darstellung das Gegenteil der wirklichen Verhältnisse war.

Die leitende Körperschaft übte keine Kontrolle über die Gesellschaft aus, weder zu der Zeit, als der Vortrag gehalten wurde, noch als er veröffentlicht wurde, noch in den darauf folgenden vier Jahren.

Das Bild, das hier gemalt wurde, ist dann schließlich doch noch Wirklichkeit geworden, aber erst nach sehr drastischen Anpassungsvorgängen, die leider mit starken Gefühlsausbrüchen und beträchtlichem Streit verbunden waren. So seltsam es Jehovas Zeugen heute erscheinen mag, aber die in dieser Ansprache beschriebene leitende Körperschaft hatte es in der gesamten Geschichte der Organisation nie gegeben. Es dauerte über 90 Jahre, bis sie sich endlich herausbildete, und auch heute blickt sie erst auf eine kurze Existenz von gut einem Jahrzehnt zurück. Ich möchte erklären, weshalb ich das sage und wieso es den Tatsachen entspricht.

Drei Monarchen 

Die wahren Herren über ihr Volk identifizieren!

"Ihr wisset, dass die Herrscher der Völker den Herrn spielen über sie und die Großen sie ihre Macht spüren lassen. Nicht so soll es unter euch sein." (Matthäus 20:25, 26, Pattloch-Bibel)

Nach außen hin nahm die Geschichte der Zeugen Jehovas so richtig ihren Lauf mit der Veröffentlichung der ersten Ausgabe der Zeitschrift Watch Tower am 1. Juli 1879. Im Jahr 1881 folgte die Gründung der Vereinigung Watch Tower Bible and Tract Society, 1884 dann ihre gesetzliche Eintragung. Diese Vereinigung wirkte damals mit Sicherheit nicht "steuernd, leitend oder beaufsichtigend" auf die leitende Körperschaft der mit dem Watch Tower Verbundenen ein (um mit den Worten des Vizepräsidenten zu sprechen). Das konnte sie auch gar nicht, denn eine leitende Körperschaft gab es zu jener Zeit überhaupt noch nicht.

Charles Taze Russell begann den Watch Tower als seine ganz persönliche Zeitschrift und war ihr alleiniger Herausgeber. Zu seinen Lebzeiten wurde er von allen, die mit der Watch Tower Society verbunden waren, als ihr einziger Pastor angesehen. Die Gesellschaft erhielt zwar nach ihrer Gründung einen Vorstand (dem ursprünglich auch Russells Frau Maria angehörte), doch wurde dieser nicht als leitende Körperschaft angesehen und übte auch keine derartige Funktion aus. Im Wachtturm vom 1. April 1972 heißt es auf Seite 216 dagegen:

"Wie die Tatsachen zeigen. kam es zu einer Verbindung der leitenden Körperschaft mit der Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania. C.T. Russell gehörte damals, im letzten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts, offensichtlich der leitenden Körperschaft an." [58]

Und was zeigen die "Tatsachen" wirklich?

Stimmrechte einer Aktiengesellschaft ergeben den Herrn
des Hauses!

Zum Thema Vorstand äußerte sich Russell in einer Sondernummer des Watch Tower vom 25. April 1894 selbst:

"Da Schwester Russell und ich über 3705 von insgesamt 6383 Stimmanteilen verfügen, wählen wir natürlich die Vorstandsmitglieder aus und haben damit die Kontrolle über die Gesellschaft. Damit waren die Vorstandsmitglieder auch von Anfang an einverstanden. Sie sollten vereinbarungsgemäß nur im Fall unseres Ablebens in Funktion treten." [17]

Russell bewies durch die konsequent von ihm geübte Praxis, dass er die Direktoren oder irgend jemand sonst eindeutig nicht als Teil einer mit ihm gemeinsam fungierenden leitenden Körperschaft ansah. Im Wacht-Turm vom 5. Dezember 1923, Seite 308, heißt es:

"Oftmals, wenn Bruder Russell von anderen befragt wurde: Wer ist denn jener treue und kluge Knecht? – gab er wohl zur Antwort: „Einige sagen, dass
ich es sei, während andere sagen,
die Gesellschaft ist es.“"

Der Artikel fährt dann fort:

"Beides entsprach der Wahrheit, denn Bruder Russell war tatsächlich, im wahrsten Sinne des Wortes, die Gesellschaft, insofern als er ohne Rücksicht auf irgendeine andere Persönlichkeit auf Erden das Wirken der Gesellschaft leitete. Er sagte manchmal andere zur Gesellschaft gehörende Brüder um Rat und hörte an, was sie zu sagen hatten, und handelte dann nach seinem eigenen besten Ermessen, indem er glaubte, dass es des Herrn Wille sei, dass er so handeln solle."

Russell erklärt sich selbst zum „Mundstück Gottes“

Im Jahre 1907 beantwortete C. T. Russell eine Frage von einigen Lesern des Watch Tower wie folgt:

"Nein, die Wahrheit, die wir als Gottes Mundstück vortragen, sind uns nicht in Gesichten und Träumen offenbart worden, nicht durch eine hörbare Stimme Gottes, auch nicht zugleich auf einmal, sondern allmählich fortschreitend, besonders seit 1870, und ganz besonders seit 1880. Auch ist diese klare Entfaltung der Wahrheit nicht menschlichem Scharfsinn oder scharfer Auffassungsgabe entsprungen, sondern der einfachen Tatsache zu verdanken, dass Gottes rechte Zeit herbeigekommen ist; und wenn wir nicht redeten und kein anderer zu finden wäre, so würden gar die Steine schreien." [18]

[59] Da er sich selbst für "Gottes Mundstück" und sein Werkzeug zur Offenbarung der Wahrheit hielt, ist es verständlich, dass er keine Notwendigkeit für eine leitende Körperschaft sah. Ein Jahr nach dieser Äußerung setzte Russell ein Testament auf, das nach seinem Tode im Wacht-Turm vom Februar 1917 erschien. Da sich nirgendwo sonst so klar zeigt, wie umfassend Russells Macht über die Zeitschrift Watch Tower war, ist der vollständige Text im Anhang wiedergegeben. Hier sei nur auf den zweiten Absatz hingewiesen:

"Als ich die Zeitschrift „Zions Wachtturm“, das „Old Theology Quarterly“, das Recht zum Nachdruck der „Millennium-Tages-Anbruch-Schriftstudien“, verschiedener anderer, kleinerer Bücher, der Liederbücher usw. der Wachtturm Bibel- und Traktat Gesellschaft zugewendet habe, tat ich es mit der ausdrücklichen Bedingung, dass ich während meiner Lebenszeit völlige Aufsicht über alle Interessen dieser Veröffentlichungen haben möchte, und dass sie nach meinem Tode in einer meinen Wünschen entsprechenden Weise fortgeführt würden. Hiermit bringe ich meine diesbezüglichen Wünsche, meinen diese Sache betreffenden Willen wie folgt zum Ausdruck:"

Wiewohl er die Zeitschrift Watch Tower der Gesellschaft zuwendete (bei deren Registrierung im Jahr 1884), betrachtete er sie doch ganz klar als seine Zeitschrift, bei deren Veröffentlichung man sich selbst noch über seinen Tod hinaus nach seinem Willen zu richten hatte. Er gab Anweisung, dass die gesamte herausgeberische Verantwortung für den Watch Tower bei seinem Tode auf ein Herausgeber-Komitee von fünf Männern, die er persönlich ausgewählt hatte, übergehen sollte. [19] 

Darüber hinaus verfügte er, dass seine Stimmanteile an der Gesellschaft auf fünf Frauen übergehen sollten, die er als Bevollmächtigte benannte. Für den Fall, dass gegen ein Mitglied des Herausgeber-Komitees schwere Vorwürfe erhoben würden und es zweifelhaft wäre, ob es weiter im Amt bleiben könnte, traf er Vorsorge, dass diese Frauen gemeinsam mit den anderen Treuhändern der Gesellschaft (womit offenbar die Direktoren gemeint waren) und den verbleibenden Mitgliedern des Herausgeber-Komitees als Gerichtsbarkeitsausschuss amten sollten. [20]

Autokratie und nicht eine „leitende Körperschaft“! Das ist eine viel spätere Erfindung!

Da ein einzelner keine Körperschaft bilden kann, zeigen die Tatsachen, dass es zu Lebzeiten C. T. Russells, also bis 1916, nicht den Hauch einer leitenden Körperschaft gab. Unter der Präsidentschaft seines Nachfolgers Joseph F. Rutherford war es nicht anders. Man könnte meinen, die Mitglieder des Herausgeber-Komitees bildeten gemeinsam mit den Vorstandsmitgliedern der Gesellschaft eine solche leitende Körperschaft, doch die Fakten zeigen, dass dies nicht der Fall war.

Im Januar 1917 wurde Rutherford auf der Jahreshauptversammlung der Gesellschaft zum Nachfolger Russells im Präsidentenamt gewählt. Bereits [60] kurz nach Übernahme der Präsidentschaft gab es eine Auseinandersetzung zwischen ihm und vier der sieben Direktoren (einer Mehrheit also), weil er ihrer Meinung nach eigenmächtig vorging. Er missachtete den Vorstand und arbeitete nicht mit ihm zusammen, sondern handelte auf eigene Faust und teilte ihm dann hinterher mit, was er entschieden habe. Die vier Direktoren meinten, dies sei ganz und gar nicht im Sinne dessen, was Pastor Russell, der "treue und kluge Knecht", verfügt hatte. Wegen ihrer Einwände wurden die vier kurzerhand gefeuert. [21]

Veränderlicher „treuer Knecht“ Russell hin zum kollektiven „treuen Sklaven“ 

Rutherfords Schachzug als Teufels Advokat und sein Griff
nach unumschränkter Macht

Rutherford fand heraus, dass sie zwar von Russell persönlich zu Direktoren auf Lebenszeit bestellt worden waren, die Ernennungen aber nie auf einer Jahreshauptversammlung der Gesellschaft bestätigt worden waren. Nach Aussage Alexander H. MacMillans, eines prominenten Mitarbeiters des Hauptbüros in jenen Tagen, beriet sich Rutherford mit einem außenstehenden Rechtsanwalt, der ihm bestätigte, dass eine Entlassung aufgrund dieser Tatsache möglich war, jedenfalls rein juristisch gesehen. [22]

Rutherford hatte also die Wahl: Er konnte auf die Einwände der Mehrheit der Vorstandsmitglieder eingehen und sein Verhalten ändern. (Hätte er diese Männer als die Mehrheit einer leitenden Körperschaft im Sinne des Wachtturm von 1972 angesehen, wäre er moralisch dazu verpflichtet gewesen.) Oder er konnte sich die erwähnte juristische Handhabe zunutze machen und kraft seiner Macht als Präsident die widerspenstigen Direktoren entlassen.

Er entschied sich für die zweite Möglichkeit und ernannte stattdessen Direktoren seiner Wahl.

Und was wurde aus dem Herausgeber-Komitee? Im Jahr 1925 erhob die Mehrheit dieses Komitees starke Einwände gegen die Veröffentlichung eines Artikels mit dem Titel "Die Geburt der Nation" (womit gemeint war, "dass das Königreich (1914) zu amten begonnen hatte"). So lesen wir es im Wachtturm vom 15. Juli 1938, Seite 217. Was das für diejenigen bedeutete, die mit dem Präsidenten nicht einer Meinung waren, wird so geschildert: [61]

"Durch des Herrn Gnade aber wurde er veröffentlicht, und das kennzeichnete in der Tat den Beginn des Endes des Herausgeberkomitees, indem es anzeigte, dass der Herr selbst seine Organisation leitet."

Damit war das Herausgeber-Komitee ausgeschaltet. Rutherford hatte jeglichen Widerstand gegen seine unumschränkte Herrschaft über die Organisation erfolgreich beseitigt.

War Russell wirklich der behauptete “treue und kluge Knecht“? Wie man Ansichten verändert!

In diesem Zusammenhang ist von Interesse, dass während all dieser Zeit nicht nur in dem Buch "Das vollendete Geheimnis" (um das es bei dem Streit 1917 vor allem gegangen war), sondern auch im Wachtturm mit großem Nachdruck gelehrt wurde, Pastor Russell sei tatsächlich der in der Bibel vorausgesagte "treue und kluge Knecht", den der Herr "über seine ganze Habe setzen" würde. [23] Die folgenden Passagen aus dem Wacht-Turm vom Juli 1922, Seite 100, zeigen sehr deutlich, wie man diese Lehre benutzte, um die gesamte Anhängerschaft zur vollen Linientreue anzuhalten:

"Treue ist Ergebenheit

Treu zu sein bedeutet ergeben zu sein, und dem Herrn ergeben zu sein bedeutet, dem Herrn gehorsam zu sein. Des Herrn auserwähltes Rüstzeug zu verwerfen und zu verschmähen, heißt den Herrn selbst zu verwerfen und zu verschmähen nach dem Grundsatz, dass der, welcher den Knecht verwirft, den der Herr geschickt hat, den Herrn selbst verwirft.

Es ist heute niemand in der gegenwärtigen Wahrheit, der ehrlich sagen kann, dass er eine Erkenntnis über den göttlichen Plan aus irgend einer anderen Quelle empfing, als durch die Vermittlung Bruder Russells, direkt oder indirekt. Durch seinen Propheten Hesekiel schattete Jehova den Dienst eines Knechtes vor. Er bezeichnete ihn als einen, der, in weissen Linnen bekleidet, ein Schreibzeug an seiner Hüfte, beauftragt war durch die Stadt (die Christenheit) zu gehen und die zu trösten, welche seufzen indem ihr Verständnis in Bezug auf Gottes grossen Plan erleuchtet wurde. Es sei jedoch bemerkt, dass das eine Gnade war, die nicht von einem Menschen gewährt wurde, sondern von dem Herrn selbst. Aber in Übereinstimmung mit Gottes Plan wurde ein Mensch benützt. Der Mensch, welcher diesen Dienst durch des Herrn Gnade ausführte war Bruder Russell."

Wer Russell als „treuen Knecht“ verwirft, der verwirft Jesus als Herrn!?

Auch im Wacht-Turm vom 15. Oktober 1923, Seiten 308 und 311, wurde in einem Artikel mit der Überschrift "Die Treue wird geprüft" die Übereinstimmung mit Russells Lehren und Methoden gleichgesetzt mit der Befolgung des Willens des Herrn: [62]

"Wir glauben, dass alle, die sich jetzt in der gegenwärtigen Wahrheit freuen, zugeben werden, dass Bruder Russell das Amt des besonderen Knechts des Herrn getreulich ausführte; und ferner, dass er über die ganze Habe des Herrn gesetzt wurde.

Jeder Mitknecht hat seine Fähigkeit oder Tauglichkeit gezeigt und hat dieselbe in dem Maße erhöht, wie er sich freudig dem Willen des Herrn unterworfen hat, indem er in dem Erntefelde des Herrn in Harmonie mit dem Wege des Herrn arbeitete, und zwar war es Bruder Russell, den der Herr dazu gebrauchte, diesen Weg klar zu machen, weil Bruder Russell das Amt dieses „treuen und klugen Knechts“ innehatte. Er tat das Werk des Herrn gemäß dem Wege des Herrn. Wenn somit Bruder Russell das Werk in dem Wege des Herrn tat, so ist irgendein anderer Weg, es zu tun, dem Wege des Herrn zuwider und könnte deshalb nicht ein treues Handeln in den Interessen des Königreiches des Herrn sein."

Damit war der Fall ganz klar: Entweder man folgte treu den Lehren und der Praxis dieses Mannes, der "über die Habe des Herrn gesetzt" war (Russell), oder man hatte Jesus Christus verworfen, war mithin vom Glauben abgefallen. So unverfroren sind menschliche Machtansprüche nur selten formuliert worden.

Pfeil nach oben

Pfeil nach rechts 4. Interner Aufstand und Umstrukturierung

Zurück zur Kapitelübersicht




Download dieser Seite:

PDF-Symbol Der-Gewissenskonflikt_Raymond-Franz-03.pdf (440 KB)